Spock´s Beard - X - Cover
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Spock´s BeardX


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 71 Minuten
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10 1 8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die römische Zehn steht einsam und allein auf den Resten eines ausgetrockneten Salzsees in Utah, ein schlichtes und dunkles X, welches sich von der Einöde deutlich abhebt. Das weckt doch gewisse Hoffnungen, dass sich die Musik von den vorigen Platten ebenso abheben wird, positiv versteht sich. In den letzten Jahren hat sich die Vorzeige Retro-Prog Band nämlich nicht mehr mit Ruhm bekleckert. Überhaupt ist diese Musiksparte doch ziemlich speziell, die alten Prog-Hasen sind immer begeistert, alles wie in alten Tagen, doch die jüngeren Hörer werfen solchen Bands Plagiarismus vor und das Durchkauen sich immer wiederholender Motive. Das alles findet natürlich im Kontext epischer Kompositionen statt, mit etlichen Tempo und Taktwechseln sowie einigem Gefrickel. Auch „X“ ist hier keine Ausnahme.

„Edge Of The In-Between“ beginnt mit einem schönen Motiv, es windet und ändert sich und kehrt doch wieder zu jenem zurück. Ein starker Beginn. „Kamikaze“ klingt wie es heißt, ziemlich abgefahren, verspielt und aggressiver als der Rest, aber schießt auch übers Ziel hinaus und passt nicht so ideal zum großen Ganzen, obwohl es zum Schluss abgemildert wird. Zwei große Suiten erwarten den Hörer, die jeweils mit über 16 Minuten zu Buche schlagen und in je vier Teile untergliedert sind. Bei „From The Darkness“ sind die einzelnen Teile nicht so perfekt zusammengeführt aber dafür kontrastreicher als in „Jaws Of Heaven“. Die Bärte legen besonders bei diesen Longtracks eine unglaubliche Spielfreude an den Tag. Nick D'Virgilio am Schlagzeug, als auch Dave Meros am Bass übertreffen sich selbst. Das färbt richtig ab und macht Laune beim Zuhören.

Das zehnte Album beherbergt eine kleine Überraschung. Der aus der Band ausgestiegene und nur noch christliche Musik machende Neal Morse hat seine Finger wieder im Spiel, wenn auch nur bei einem Song. Der liebe Gott hat ihm wohl nicht nur den Freibrief für Transatlantic gegeben, sondern auch die Erlaubnis bei den Bärten wieder mit zu mischen. Wer sich das Album genau anhört wird ohne einen Blick ins Booklet feststellen welches Lied aus der Feder vom ex-Frontmann Neal und seinem Bruder Alan stammt. Und? Klar, es ist „The Emperor's Clothes“, kein anderes Lied auf „X“ hört sich so nach den alten Markenzeichen des Progressive Rock an und bedient sich so stark der üblichen Verdächtigen Yes, Gentle Giant oder Genesis. Das hätten sich Spock's Beard auch sparen können. Die Reminiszenz an alte Zeiten ist gerade auf diesem Album unnötig, weil sie endlich moderner und eigenständiger klingen als je zuvor ohne dabei ihre ursprünglichen Stärken zu vernachlässigen.

Nach drei durchwachsen klingenden Alben auf der Suche nach einer neuen Identität ist mit Album Nr.4 der Ära nach Neal Morse endlich die Fusion aus altbekannten Retro-Prog und moderneren Art-Rock Elementen gelungen. Die Namensparallele zum fünften Album, das ebenso durch eine schlichte römische Zahl betitelt wurde, ist kein Zufall. Von der Qualität können beide Alben in einem Atemzug genannt werden. Hätte man „Kamikaze“ und „The Emperor's Clothes“ weg gelassen, wäre das Album noch ein Stück weit stimmiger und mit 61 Minuten im grünen Bereich. Trotzdem endlich wieder ein starker Auftritt.

Anspieltipps:

  • Jaws Of Heaven
  • Edge Of The In-Between
  • From The Darkness

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