Paul McCartney
McCartney I (Deluxe Edition)
McCartney I (Deluxe Edition)
| CDstarts.de: | 7/10 |
| Leser: | |
| VÖ: | 10.06.2011 |
| Genre: | Pop |
| Spieldauer: | 60 Minuten |
| Label: | Concord/UNIVERSAL |
Als Paul McCartney im April 1970 sein erstes „richtiges“ Soloalbum veröffentlichte (vier Jahre zuvor hatte er bereits den „The Family Way“-Soundtrack komponiert), ging dies einher mit der Verkündung der Auflösung der Beatles, die sich seit Monaten nur noch in den Haaren lagen. Dabei hatten sie mit „Let It Be“ noch ein letztes Album fertig gestellt, für das es einen passenden Veröffentlichungstermin zu finden galt, da auch Beatles-Drummer Ringo Starr mit „Sentimental Journey“ sein Solodebüt in trockenen Tüchern hatte. Die Herren einigten sich schließlich auf die Reihenfolge Ringo Starr (März 1970), Paul McCartney (April 1970) und The Beatles (Mai 1970), gefolgt von John Lennons erstem offiziellen Soloalbum „Plastic Ono Band“ (Dezember 1970).
Im Rahmen des ambitionierten Neuauflagenprogramms der Concord Music Group (dies ist anstelle der altehrwürdigen britischen EMI seit 2007 Paul McCartneys neuer Vertragspartner), werden nach dem Re-Issue des Wings-Albums „Band On The Run“
(12/1973) nun die beiden ersten Solowerke „McCartney I“
(04/1970) und „McCartney II“
(05/1980) des mittlerweile 69-Jährigen in verschiedenen Konfigurationen neu auf den Markt gebracht, von denen für jeden Geldbeutel etwas dabei ist: Von der einfachen Version mit nur einer CD, über ein Doppelalbum mit Bonus Tracks (hauptsächlich Live-Versionen, aber auch Outtakes und unveröffentlichtes Material) bis hin zur „Super Deluxe Ausgabe“ mit bis zu vier Silberlingen. Und wer mag, kann sich natürlich auch der Vinyl-Version annehmen.
„McCartney I“ wurde in den Londoner Abbey Road Studios vom selben Team digital überarbeitet, das auch den Beatles Back Katalog remastert hat. Das Album entstand in der Zeit von Dezember 1969 bis März 1970 und besitzt den Charme gehobener Home-Recordings, die in den Morgan und Abbey Road Studios lediglich auf Vordermann gebracht wurden. Mit dem Brimborium der späten Beatles-Aufnahmen haben die 13 Tracks auf „McCartney I“ jedenfalls nichts gemein. Dazu passt, dass das Booklet durch Familien- und Urlaubsfotos eines entspannten Superstars nebst Kindern und Gattin auffällt, der einen Song wie „The lovely Linda“ (Textauszug: „La, la, la, la, la the lovely Linda, with the lovely flowers in her hair“), den McCartney zum Testen der Mikrophone eingespielt hat, einfach auf dem Album als Opener verblieb.
Das gab den John-Lennon-Verehrern, die Paul McCartney eher als kompositorisches Leichtgewicht ansahen, natürlich eine Steilvorlage. Doch mit „McCartney I“ wollte sich der Liverpooler bewusst vom Beatles-Sound wegbewegen und schuf ein sehr reduziertes Werk (allein fünf Songs sind rein instrumental), auf dem er sämtliche Instrumente im Alleingang spielte. Dass dem Ex-Beatle das Händchen für feine Melodien auch auf Solopfaden nicht abhanden gekommen ist, zeigen dabei Titel wie „Every day“, „Man we was lonely“, „Maybe I’m amazed“ und der coole Blues „Oo you“, wobei auch diese Songs nicht darüber hinwegtäuschen können, dass „McCartney I“ stellenweise etwas skizzenhaft klingt (13 Songs in nur 35 Minuten Spielzeit) und eine bessere Produktion verdient gehabt hätte. Dennoch geht von diesem ersten Nach-Beatles-Album ein Reiz aus, der das Werk im Wettstreit um das bestverkaufte Solodebüt der Herren Lennon, Starr und McCartney auf den ersten Platz bugsierte.
Anspieltipps:
- Oo you
- Every night
- Valentine day
- Singalong junk
- Man we was lonely
- Maybe I’m amazed
Autor: Matthias Reichel
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