The Rolling Stones
Some Girls (Deluxe Edition)
Some Girls (Deluxe Edition)
| CDstarts.de: | 8/10 |
| Leser: | |
| VÖ: | 18.11.2011 |
| Genre: | Rock |
| Spieldauer: | 83 Minuten |
| Label: | Polydor/UNIVERSAL |
Als The Rolling Stones im Jahr 2008 mit ihrem millionenschweren Back Katalog seit dem 1971er Album „Sticky Fingers“ von EMI Records zur rivalisierenden Universal Music Group wechselten (die inzwischen die EMI-Musiksparte für stolze 1,2 Milliarden englische Pfund aufgekauft hat), war allen klar, was dies für den Musikmarkt bedeuten würde: Sämtliche Alben würden für Re-Releases ein weiteres Mal digital auf den neuesten Stand der Klangtechnik gebracht werden und die großen Meilensteine in der Geschichte der Stones wie eben „Sticky Fingers“, „Get Yer Ya-Ya´s Out“ (1969) oder auch „Exile On Main Street“ (1972) würden als Super-Luxusausgaben eine Wiedergeburt erfahren.
Genauso ist es dann auch zwischen 2009 und 2010 gekommen und ein Ende der Gelddruckmaschine ist noch lange nicht in Sicht. Denn mit dem 1978er Album „Some Girls“ ist jetzt der nächste Meilenstein an der Reihe, der als remasterte Standard-CD, erweiterte Deluxe, Super Deluxe und als digitale Version auf den Markt geworfen wird. Dass die Scheibe erst vor knapp 2½ Jahren das letzte Mal als remasterte Version neu herausgebracht wurde – egal! Denn nun passiert dies, was sich die Fans bereits bei den 2009/2010er Neuauflagen erhofft hatten: Unbekanntes Bonusmaterial wird aus dem Giftschrank geholt und als Lockmittel oben drauf gelegt.
Das bedeutet, dass sich die beinharten Stones-Fans das „Some Girls“-Album nun zum x-ten Mal kaufen dürfen, weil die 2011er Version mal eben mit einem Dutzend (!!) Bonus Tracks um die Ecke kommt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber so wird Kasse gemacht, gehört doch die Stones-Zielgruppe rein altersbedingt eher zu der gutbetuchten Abteilung. Und die kann gar nicht anders, als noch einmal zuzuschlagen. Dabei war und ist „Some Girls“ unter Fans nicht unumstritten. Denn neben klassischen Rocksongs wie „When the wip comes down“, „Lies“ und „Respectable“ schlichen sich auf der Platte auch dezente Dance- und Funk-Einflüsse ein („Miss you“), die nicht zwingend zu den üblichen Betätigungsfeldern der Rolling Stones zählen.
Darüber hinaus musste sich der 1975 zur Band gestoßene Ron Wood als neuer Gitarrist etablieren, was dem Gefüge offenbar sehr gut tat. Denn die Rolling Stones zeigten sich auf „Some Girls“ als fokussiert und kompakt aufspielende Rockgruppe, die aus der Vergangenheit gelernt hatte. Keith Richards hatte sein Drogenproblem besser im Griff und die Aufnahmen verliefen nicht so chaotisch wie noch beim Klassiker „Exile On Main Street“. Davon inspiriert agierten die Stones bissig und schnell auf den Punkt kommend, wodurch ein energiegeladenes Gesamtwerk entstanden ist, das ein paar All-Time-Klassiker abwarf, was man nicht von jedem Stones-Album behaupten kann.
Das Schöne an dieser Veröffentlichung ist, dass sich die Deluxe-Bonus-CD in das positive Gesamtbild das Hauptwerks mit rockigen („Tallahassee Lassie“) und bluesigen („When you’re gone“) Stücken angenehm einfügt. Und wenn dann auch noch Keith Richards zum Mikro greift und mit „We had it all“ eine herzergreifende Ballade zum Besten gibt, bleibt kein Auge mehr trocken. Fazit: Hier wurden die Hausaufgaben richtig gemacht und eine würdige Neuauflage eines Klassikers geschaffen.
Anspieltipps:
- Lies
- So young
- Miss you
- We had it all
- Far away eyes
- Tallahassee Lassie
- When the wip comes down
Autor: Matthias Reichel
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