The Rolling Stones
Some Girls: Live In Texas ´78
Some Girls: Live In Texas ´78
| CDstarts.de: | 8.5/10 |
| Leser: | |
| VÖ: | 18.11.2011 |
| Genre: | Rock |
| Spieldauer: | 205 Minuten |
| Label: | Edel Records |
Seit „A Bigger Bang“ (09/2005) sind mittlerweile über sechs Jahre vergangen und noch gibt es keine Anzeichen auf ein neues Studioalbum oder den wohlverdienten Ruhestand der dienstältesten Rockband des Planeten. Warum auch? Jede Tour, Wiederveröffentlichung oder Konzert-DVD spült Geld in die Kassen und für ein groß angelegtes Comeback sind die Herrschaften Jagger, Richards, Watts und Wood schon etwas zu alt. Der jahrelange Fan muss sich daher mit Re-Releases begnügen, die möglicherweise neues Archivmaterial aus irgendeiner verstaubten Kiste ans Tageslicht befördern und auf diesem Weg den Mehrwert einer ansonsten zwiespältigen Neuauflage steigern. Ja, die jüngste Veröffentlichungspolitik der Rolling Stones bringt gar seltsame Déjà-vus hervor und ein bereits letztes Jahr verwendeter Einstieg für die Kritik zur Doku „Stones In Exile“ (06/2010) ist noch immer brandaktuell.
Dabei ist die Qualität nach der quantitativen Phase, die mit 2,500 Euro schweren Super Limited Deluxe Editions im Jenseits von Gut und Böse angekommen war, scheinbar wieder zurückgekehrt, sodass sich der langjährige Fan nach dem gelungenen Konzertfilm „Ladies & Gentleman“ (10/2010) über reichhaltiges Zusatzmaterial zum sechs Mal in Amerika mit Platin ausgezeichnetem Album „Some Girls
“ (06/1978) freuen darf, welches in Form einer um 12 unveröffentlichten Tracks erweiterten Ausgabe, sowie dem vorliegenden DVD/CD-Package „Some Girls: Live In Texas ´78“ dem geneigten Käufer zugänglich gemacht wird. Im Mittelpunkt steht logischerweise der am 18.Juli 1978 im Will Rogers Memorial Center aufgenomme Konzertmitschnitt, der die Rolling Stones (Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts, Bill Wyman, Ron Wood) gemeinsam mit ihren Bühnenhelfern (Ian Stewart (Piano), Ian McLagen (Keyboard) und Doug Kershaw an der Violine) nicht nur von einer ihrer besten, sondern auch von ihrer dreckigsten Seite zeigte. Der dekadente Schatten der „Cocksucker Blues“ Dokumentation war schließlich noch nicht verflogen und Songs wie „Starfucker“ oder das Chuck Berry-Cover „Sweet little sixteen“ wurden mit einer Zweideutigkeit dargeboten, dass den damaligen Ordnungshütern die Gesetzesparagraphen im Hals stecken geblieben sein dürften.
Ansonsten bedeutet The Rolling Stones anno 1978 Rock´n´Roll pur. Jagger hüpft in einer eng geschnittenen PVC-Hose omnipräsent wie ein aufgekratztes Rumpelstilzchen über die Bühne, wirkt oftmals (gewollt?) orientierungslos, brüllt und gurgelt seinen Text, während er mit den Mädels in der ersten Reihe oder Neuzugang Wood anbandelt oder vermittelt in Songs wie „Beats of burden“ pure Gänsehaut. Die restlichen Stones dürfen höchstens als Tanz- oder Gesangspartner („Happy“) ins Bild treten, sind aber dafür in der DTS-Abmischung stets gut ortbar und geben sowohl in schleppenden Bluesnummern („Love in vain“) als auch als kompakt aufspielende Rotzrocker („Let it rock“, „Brown sugar“, „Shattered“) eine fabelhafte Dreckschleuder ab, sodass am Schluss gar ein Kübel Wasser ins tobende Publikum gekippt werden muss.
Als Extras gibt es abgesehen von einer zusätzlichen, randvollen Audio-CD mit dem kompletten Konzert ein 15-minütiges Interview aus 2011 mit Mick Jagger, in dem er mehr oder weniger spannende Fragen rund um die Tour wie z.B. über sein berüchtigtes Hakenkreuz-Shirt mit dem „Destroy“-Schriftzug beantwortet, einen Mitschnitt der Saturday Night Live-Show namens „Tomorrow“ mit Dan Akroyd als witzigem Moderator, der einem leicht perplexem Jagger die Show stiehlt, bevor dieser mit den Rolling Stones bei dünnem Sound und extravaganten Outfits die Songs „Beast of burden“, „Respectable“ und „Shattered“ zum Besten gibt und eine Mini-Dokumentation von ABC News aus 1978 über den bisherigen Werdegang einer der dienstältesten Rockbands. Kurzum: Als Anhänger von Jagger & Co. und selbst als Gelegenheitsfan kann man mit „Some Girls: Live In Texas ´78“ so gut wie nichts falsch machen.
Autor: Albert Ranner
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