Cattle Decapitation - Monolith Of Inhumanity - Cover
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Cattle DecapitationMonolith Of Inhumanity


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 43 Minuten
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10 1 9/10 Unsere Wertung Legende
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„Monolith Of Inhumanity“ ist ein vorzüglicher Leckerbissen für die ganze Familie!

Vor ein paar Millionen Jahren konnte die Urform des Menschen noch keine Werkzeuge bedienen und musste erst mühsame Entwicklungsstufen durchleben, bis sie im Stande war Tiere für den eigenen Verzehr zu erlegen. Heutzutage bringt der Homo Sapiens vielleicht maximal Schnäppchen im Sommerschlussverkauf zur Strecke, die Nahrungssuche übernimmt schließlich der gut sortierte Lebensmittelhandel. Nicht ganz so lange hat es bei den Pflanzenölen von Cattle Decapitation gebraucht, bis nun mit „Monolith Of Inhumanity“, dem mittlerweile siebten Longplayer, ein bösartiges wie (nicht anders zu erwarten) misanthropisches Meisterwerk das Licht der Welt erblickt. Der Weg von den holprigen und weniger geglückten Anfängen eines „To Serve Man“ (07/2002) hin zu durchdachteren Alben wie „The Harvest Floor“ (01/2009), wo Text und Musik endlich eine sinnvolle Fusion einzugehen schienen, war nämlich nicht minder steinig und langwierig, mit einem derartigen Quantensprung konnte trotz schneckentempohafter Qualitätssteigerung jedoch nicht gerechnet werden.

Keine Ahnung, was das vegetarische Quartett Travis Ryan (Gesang), Josh Elmore (Gitarre), Derek Engemann (Bass) und Dave McGraw (Schlagzeug) in ihren Nudelauflauf gemischt hat, aber bei der Art und Weise wie die Gehörknöchelchen systematisch malträtiert werden, dürfte es sich um nicht weniger als ein saftiges Pfund rohen Fleisches gehandelt haben. Es mag vielleicht seltsam klingen, aber Cattle Decapitation haben offensichtlich Blut geleckt! Hier wird nämlich nicht trockene Genrekost oder halbherziges Grindcore-Gedresche in den Ofen geschoben, sondern ein fein säuberlich abgestimmter Hassbrocken meisterhaft zubereitet und nach allen Regeln der Kunst prachtvoll verziert. Maulsperren sind an der Tagesordnung („The carbon stampede“) und wenn nicht gerade die Daumenschrauben bis zum endgültigen Knochenbruch angelegt werden („Dead set on suicide“) oder der Vierer mit den wechselnden Tempolimits wie ein Kätzchen mit einem Wollknäuel spielt („Forced gender reassignment“), dann erdrosseln Ryan & Co. das ahnungslose Individuum vor den Boxen mit schleppenden Grooves („Lifestalker“) und servieren schmackhaftes Tofugeschnetzeltes mit virtuoser Riffsoße („Gristle licker“), bis das grunzende Frontgänseblümchen Travis die Mahlzeit im wahrsten Sinne des Wortes wieder hochwürgt („Projectile ovulation“).

Apropos „würgen“: Mit seiner diesjährigen Performance katapultiert sich der röchelnde Tannenzapfen zum vielseitigsten Gesangskünstler im extremen Metalbereich. Wer hätte gedacht, dass Ryan sechs Jahre nach den monotonen Lächerlichkeiten auf „Karma Bloody Karma“ (06/2006) eine facettenreiche Palette anbieten wird, die nicht nur über die menschliche Vorstellungskraft für gesungene oder gutturale Töne hinausgeht und dermaßen perfekt in Szene gesetzt ist, dass einem nicht nur einmal ein ehrfürchtiger Schauer über den Rücken fährt (bestes Beispiel hierfür „The monolith“), sondern auch Hooklines ins Gehirn gebrannt werden wie Brandzeichen in die Kuhhaut („A living, breathing piece of defecating meat“, „Your disposal“)? Den Vogel schießen Cattle Decapitation aber eindeutig mit dem atmosphärischen Finale „Kingdom of tyrants“ ab, das zwischen furiousem Highspeedgeknüppel und Gekreische einen längeren Abstecher in melodische Todesbleigefilde macht, die auf den ersten Blick allzu versöhnlich und irritierend wirken, aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit wie der Sellerie zum Kräuterdip passen.

„Auf ihrem mittlerweile siebten Album, dem rabiaten „Monolith Of Inhumanity“, klingt die Band so fokussiert, aggressiv und entschlossen, es genau denen zu zeigen, die geglaubt haben, diese Band hätte nicht noch extremer werden können, wie nie zuvor“ fasst der Pressetext punktgenau die kehlezuschnürende Wucht von „Monolith Of Inhumanity“ zusammen und selten wollte man einen Satz mehr unterstreichen. Ryan, Elmore, Engemann und McGraw prügeln einfach sämtlichen Mageninhalt aus dem verdutzten Hörer und haben dabei einen Heidenspaß. Der Lohn: Das mit Abstand beste Album in der Bandgeschichte und ein unglaublich dichter, fesselnder, kurzum äußerst empfehlenswerter Genrebeitrag.

Anspieltipps:

  • Lifestalker
  • Your Disposal
  • Kingdom Of Tyrants
  • Dead Set On Suicide
  • A Living, Breathing Piece Of Defecating Meat

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