Blur
Parklife
Parklife
| CDstarts.de: | 9/10 |
| Leser: | |
| VÖ: | 25.04.1994 |
| Genre: | Pop/Rock |
| Spieldauer: | 53 Minuten |
| Label: | Parlophone/EMI |
Um es vorneweg zu nehmen: Ja, die Gruppierung um Frontmann Damon Albarn kommt aus Britannien und im Gesamtbild ist das bestimmt Pop, aber das Wort „Brit“ sollte doch irgendwie vermieden werden. Während Bands wie Oasis gemerkt haben, dass sobald man ein Rezept hat es immer weiter verwenden kann, versuchen Blur immer neue Facetten einzubringen. Die eine oder andere Hymne kommt natürlich dabei heraus, doch im Vordergrund stehen die ganzen Elemente und Ideen, die diese Band einzusetzen versucht. Es soll nicht immer nach demselben Schema Hit für Hit geschrieben werden, sondern ansprechende, verrückte und stimmige Platten herauskommen.
Parklife ist schon die dritte LP der Engländer und die progressiven Züge nehmen endlich Gestalt an. Gewohnt greifen unsere „Mods“ Style der letzten Jahrzehnte auf, mischen Elektronik und Gitarrensoli dazu und fügen dem ganzen mehr oder wenig ernsthafte, wenn sich manchmal spaßige Charakteristika per Lyrics hinzu. Das hat nichts mehr mit schnulzigen Liebesballaden und BritPop zu tun. Diese Musik ist ihrer Zeit ein gutes Stück voraus und anstatt pausenlos zum Heulen oder Schwärmen anzuregen geht es immer wieder bitterböse zu.
Wie das im Gesamtbild aussieht? Die Single „Girls & Boys“ eröffnet mit quietschender Elektronik und Refrain der ins Ohr geht. Vorsicht! Das gesamte Album liegt einem im Ohr. Progressiv heißt im Falle der Band Blur nicht siebenminütige Stücke und vertrackt bis zum Ende. Diese Herren komprimieren das immer wieder grandios. Zum ersten Song sei noch zu erwähnen, dass Damon einen deutschen Satz sagt. Immer wieder nett, Engländer deutsch sprechen zu hören. „Tracy Jacks“ ist tatsächlich purer BritPop und man möchte Rezensent, sowie Band böse sein, aber wer den Refrain gehört hat hält sich doch lieber zurück. Orchestersamplereinlagen dürfen auch nicht fehlen und in den Texten wird das englische Leben völlig durch den Kakao gezogen. „End Of A Century“ schließt sich nahtlos an, nur dass hier der Fernseher angeprangert wird. Jetzt wird es interessant, denn der Titeltrack „Parklife“ überzeugt durch eingängige Gitarre und die von Gast Phil Daniels gesprochenen Strophen. „Bank Holiday“ kommt als kurze Rocknummer, um die Stimmung aufzulockern.
Das Album zeigt wirklich alle Facetten auf und bringt einige popige Perlen hervor („Badhead“, „To The End“, „This Is A Low“), zeigt seine Vorliebe für Elektronik („London Loves“, „Magic America“), ist psychedelisch („Far Out“, „Trouble In The Message Centre“) und rockt wenn es sein muss wie in „Jubilee“. „Parklife“ ist ein Album mit dem einen nicht so schnell langweilig wird. In den guten 50 Minuten wird dem Hörer so einiges geboten. Natürlich heben sich einige Songs ab und andere zeigen die ein oder andere Schwäche, im Gesamtbild zeigen Blur aber welchen reichen Schatz an Melodien und Texten zu verpacken wissen. Zwei Lieder, die vielleicht von vielen eher als Lückenbüßer hingestellt werden. „The Debt Collector“ und „Lot 105“. Gerade bei diesen Songs spiegelt sich der Mut der Band wieder wirklich ALLES zu spielen was sie wollen. Ob immerweiter aufbauenden Polkamarsch oder Keyboardspielereien für Kinder. Der Wahnsinn hat ein (sehr strukturiertes und eingängiges) Zuhause gefunden und Blur einen Platz in den Herzen der neugiereigen Hörerherzen.
Anspieltipps:
- Girls & Boys
- Parklife
- Magic America
Autor: Maximilian Nitzke
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