The Dresden Dolls - No, Virginia - CD und MP3s - Kritiken, Berichte, Videos und Infos

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The Dresden Dolls
No, Virginia
Coverbild:  The Dresden Dolls - No, Virginia
CDstarts.de:8.5/10
Leser:
5.2 / 10
5.2 / 10
VÖ:16.05.2008
Genre:Art-Rock
Spieldauer:49 Minuten
Label:Roadrunner/WEA


Der Weihnachtmann ist tot! Lang lebe The Dresden Dolls! So oder so ähnlich könnte der Name der Songsammlung „No, Virginia“ grob umrissen werden. Nahm der Titel des Vorgängers „Yes, Virginia“ (04/2006) schließlich Bezug auf einen legendären Leserbrief aus der New York Sun aus dem Jahre 1897, in dem es hieß: „Yes, Virginia, there is a Santa Claus“, so gibt das Bostoner Duo die Antwort nun selber und befördert den verantwortlichen Weihnachtsmann in mehr oder weniger eindeutiger Pose auch gleich auf das Cover. Abgesehen von diesem kleinen Scherz am Rande, sollte natürlich gleich klargestellt werden, dass Amanda Palmer und Brian Viglione auf ihrer dritten Veröffentlichung nicht elf neue Songs zum Besten geben, sondern unter anderem auch ein wenig in ihrer ganz persönlichen Schatzkiste gekramt haben, in der noch der eine oder andere unveröffentlichte Track schlummerte.

Alles in allem setzt sich die Platte also aus folgenden Komponenten zusammen: Fünf übrig gebliebene Nummern aus den Sessions zum Vorgänger („Die unveröffentlichten Songs aus der „Yes, Virginia“-Phase waren einfach zu gut, um als schnöde B-Seiten zu enden.“), fünf neue Stücke, die zwar schon wesentlich länger fertig sind, aber nie auf Platte gebannt wurden („Wir haben diese Stücke schon seit unserem ersten Album mit uns herum geschleppt, ohne sie jemals einzuspielen. Wir haben sie wirklich geliebt und entschieden uns schließlich, sie endlich professionell aufzunehmen.“) und ein Cover der 80er Punkrock-Truppe The Psychedelic Furs namens „Pretty in pink“. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Neuneinspielung dieses Songs ist bestenfalls eine nette Draufgabe und stellt für das Album eigentlich keine Bereicherung dar, weil einerseits der typische Dresden Dolls-Sound fehlt und andererseits durch die Zuhilfenahme eines Akkordeons die Anknüpfung an das restliche Schaffen der Bostoner nicht gegeben ist.

Dafür darf Amanda und Brian in den übrigen zehn Stücken in Reinkultur gelauscht werden, was neben der Rückkehr zu einem weniger popigen Klangbild ebenso in eine deutlich abgedrehtere Darbietung von Miss Palmer ufert. Mit anderen Worten: Sie flüstert, singt normal, geht aus sich heraus, gibt den Text völlig neben der Spur zum Besten und sorgt auch am Klavier für eine nicht immer astreine Vorstellung, doch genau das ist das Großartige an den Dresden Dolls. Nicht nur die Texte handeln von innerlicher Zerrissenheit, Tabu-Themen und abgedrehten Phantasien, sondern die Musik reflektiert ungeniert die fesselnd dargebotenen Erzählungen statt sie nur still und andächtig zu untermauern. In diesem Sinne ist „No, Virginia“ eine Abkehr von der Geradlinigkeit des Vorgängers hin zu mehr Dramatik, mehr roher Energie und mehr Kabarett wie schon auf dem grandiosen Debüt des Duos.

Sei es die erdrückende Stimmung in „The gardener“ und „The sheep song“ oder die fingerschnippende Lässigkeit eines „Night reconnaissance“, trotz einer Entstehungszeit mancher Songs von vor mehr als vier Jahren, wirkt die neueste Veröffentlichung aus dem Hause des Brechtian Punk Cabarets zu keiner Zeit halbherzig oder schnell zusammengeschustert, auch wenn man das angesichts des Grundgedankens hinter solch einer Compilation vermuten könnte. Und obwohl durch die Rückbesinnung auf die Anfangstage mehr die Hardcore-Fans angesprochen werden, als die Gelegenheitshörer, die dem Vorgänger im Vergleich zum Erstling wesentlich mehr abgewinnen konnten, die zehn Tracks offenbaren im Gegensatz dazu eine deutlich längere Halbwertszeit, da es durch den einen oder anderen hakenschlagenden Tempowechsel oder knallige Songideen wesentlich mehr zu entdecken gilt und auch deutlich länger braucht, bis Amanda einen schlussendlich an der Hand nimmt und in ihre abstrakte Gedankenwelt mit einbezieht. Das wünscht man sich von einer Ausnahmeband wie The Dresden Dolls und das bekommt der geneigte Hörer auch in der Dreiviertelstunde auf „No, Virginia“ geboten.


Anspieltipps:

  • The Gardener
  • The Sheep Song
  • Night Reconnaissance
  • The Mouse And The Model

Leserkritiken

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Playlist

1.  Dear Jenny
2.  Night Reconnaissance
3.  The Mouse And The Model
4.  Ultima Esperanza
5.  The Gardener
6.  Lonesome Organist Rapes Page Turner
7.  Sorry Bunch
8.  Pretty In Pink
9.  The Kill
10.  The Sheep Song
11.  Boston
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