Edguy - Tinnitus Sanctus - Cover
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Edguy Tinnitus Sanctus


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Tinnitus Sanctus“ ist eine ganze Ecke ernsthafter, als das Vorgängerwerk „Rocket Ride“ geworden.

Dass ein gewisser Hang zum Größenwahn nicht erst seit dem Metal-Allstar Projekt Avantasia zu Tobias Sammets auffallendsten Eigenschaften gehört, ist hinlänglich bekannt. Wenig überraschend also, dass auch das neue Edguy Album laut Interviews des Band-Masterminds wohl so ziemlich das bedeutendste geworden ist, was es im melodiösen Heavy Metal je gegeben hat. Das alles in eine liebenswert-augenzwinkernde Hülle zu stecken entspricht ganz und gar dem schon legendär zu nennenden Humor des hessischen Sängers.

Zumindest der erste Song des Albums, „Ministry Of Saints“, hält schon mal, was Meister Sammet da großmundig ankündigt. Erwartungsgemäß Midtempo-lastig eröffnet diese Melodic-Metal-Hymne das Album mit einem Paukenschlag, irgendwo zwischen zeitgemäßen Klängen und klassischem Heavy Metal. In die gleiche Kerbe schlägt auch „Sex Fire Religion“, das mit starkem Mitgröl-Refrain überzeugt. Dann aber kommt genau die Art von Songs, von denen sich Edguy in den vergangenen Jahren immer weiter distanziert hatten: „The Pride Of Creation“ und „Wake Up Dreaming Black“ sind stereotype Powermetal-Songs mit viel Double Base-Geballer und Refrains, die schon fast zu eingängig durch das Ohr rutschen. Wirklich schlecht klingt das deshalb zwar nicht, setzt aber bei weitem auch keine neuen Maßstäbe im Genre. Etwas besser schlägt sich das Keyboard-lastige „Nine Lives“, das typischer für einen Edguy-Song kaum sein könnte.

Aus anderem Holz geschnitzt ist da schon „Dragonfly“. Die zwischen verhältnismäßig langsamen Passagen, druckvollen Midtempo-Strophen und bombastischen Refrains wechselnde Nummer gehört eindeutig zu den besten Melodic-Metal-Veröffentlichungen der letzten Zeit. Das darauf folgende „Thorn Without A Rose“ kommt als nette, eingängige Power-Ballade in der Tradition von „Land Of The Miracle“ daher. Im Radio dürfte sich ein solcher Song gut machen, besser zu Edguy passen allerdings „Speedhoven“ und vor allem „Dead Or Rock“. Schade nur, dass es sich beim Verse von letzterem lediglich um ein gutes Plagiat von Queens „One Vision“ handelt. Den eigentlichen Abschluss des Albums bildet dann aber das witzige „Aren’t You A Little Pervert Too“. Hier versuchen sich Edguy mit bissigem Text als waschechte Country-Band, inklusive einer nicht ernst gemeinten Ansage („This is for our troops, beat the shit out that people“).

Unterm Strich ist „Tinnitus Sanctus“ dennoch eine ganze Ecke ernsthafter, als das Vorgängerwerk „Rocket Ride“ geworden. Musikalisch gesehen passt der aktuelle Sound gut zu Edguy, allerdings stehen einer Reihe wirklich herausragender Songs auch die gleiche Anzahl Füllnummern gegenüber. Insgesamt bedeutet das ein ordentliches Melodic-Metal-Album – ob es aber die „Vitaminspritze in den Arm eines langweilig und vorrauschaubar gewordenen Genres“ (O-Ton Tobias Sammet) geworden ist, sollte der Hörer selbst entscheiden.

Anspieltipps:

  • Ministry Of Saints
  • Sex Fire Religion
  • Dragonfly
  • Dead Or Rock
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