Marianne Faithfull - Easy Come Easy Go - Cover
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Marianne Faithfull Easy Come Easy Go


  • Label: Naive/INDIGO
  • Laufzeit: 87 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Marianne Faithfull ist als Singer/Songwriterin und Film/Bühnenschauspielerin längst zur Ikone geworden. Sie ist nun in einem Alter, in dem das weibliche Geschlecht in früheren Zeiten gerne mal Handarbeiten als Freizeitbeschäftigung wählte. Die Handarbeit der etwas anderen Art hatte der Kinofilm „Irina Palm“ mit der Faithfull als Protagonistin zum Thema. In der Rolle der Witwe Maggie legte sie Hand bei Männern unterhalb der Gürtellinie an und machte dabei eine ebenso gute Figur wie nun auf ihrem neuen Studiowerk „Easy Come, Easy Go“.

Ein Album mit Neu-Interpretationen und vielen illustren Gästen muss man der Faithfull nach all den Jahren wohl zugestehen, aber es ist weitaus mehr als das übliche Spätwerk, das man mit jüngeren und älteren Zeitgenossen der Pop-Szene und mehr oder weniger bekannten Songs als buntes Sammelsurium auf den Markt wirft. Das Gegenteil ist der Fall. Eine sehr sorgsame Songauswahl wurde getroffen und mit Hal Wilner als Produzent an ihrer Seite konnte ja nicht viel schiefgehen, schließlich hatte er auch ihre Großtat „Strange Weather“ (1987) produziert. „Easy Come, Easy Go“ wird als einfache 10-Song-CD, als Deluxe-Doppel-CD mit DVD und als Doppel-Vinyl erscheinen. Natürlich braucht der Faithfull-Liebhaber eine der Ausführungen mit den insgesamt 18 Songs.

Bereits das Album eröffnende „Down To Dover“ von Dolly Parton verschafft die unvergleichliche Atmosphäre, die von der Stimme Faihfulls und einer professionell und überaus feinsinnig aufspielenden Begleitband ausgeht. Ein weitschweifiger Bogen wird gespannt. Über das von Stromgitarren dominierte „Hold On Hold On“ von Neko Case & The Sadies, Billie Holidays „Solitude“ von Duke Ellington, dem ergreifenden “Crane Wife 3” (Decemberists) mit Nick Cave, dem herrlich altmodischen in Jazz-Blues getränktem Titelstück von Bessie Smith, stimmungsvoll ambitionierten Song-Interpretationen von The Espers, Brian Eno, Randy Newman bis zum swingend-rockenden, das Tempo variierende „Ooh Baby Baby“ (Smokey Robinson), das sie mit Antony Hegarty (Antony And The Johnsons) in einem grandiosen Duett zum Besten gibt. Den Merle Haggard Song „Sing Me Back Home“ bestreitet sie mit Keith Richards, ein würdiges Finale der ersten Scheibe.

Die zweite Platte startet mit dem E-Gitarren betonten „Salvation“ (Black Rebel Motorcycle Club), Sean Lennon steuerte Background Vocals bei. Danach jazzt „ Black Coffee“ mit flirrendem Orgelspiel und einem Saxophon, das sich um die Stimme der Faithfull windet, dazu wummert ein mannshoher Kontrabass. Fast ganz im Folk bleibt „The Phoenix“ (von der wunderbaren Judee Sill) verhaftet. Mit der inbrünstigen Bitte „Dear God Please Help Me“ (Morrissey), „Kimbie“ (Franck Jackson) und „Many A Mile To Freedom“ (Steve Winwood & Chris Wood) setzt sich das Album in seiner einzigartigen Atmosphäre fort. Die Bernstein/Sondheim Komposition „Somewhere (A Place For Us)“ croont sie im Duett mit Jarvis Cocker und zu guter Letzt wird das Werk mit dem Traditional „Flandyke Shore“ gemeinsam mit Kate & Anna Mc Garrigle in ein sanft jubilierendes Ende überführt.

„Easy Come, Easy Go“ ist ein der Faithfull entsprechend vielschichtiges Album geworden. Ob Folk, Blues, Jazz, Rock oder Indie-Pop, die Faithfull lässt die Genregrenzen durch ihre Herangehensweise und wunderbaren Arrangements verschwinden, wobei Hal Wilners Künste als Produzent ihre volle Wirkung entfalten. Hand- und Kopfarbeit der ganz besonderen Art. Nach „Before The Poison“ von 2005 wieder eine Marianne Faithfull in Höchstform.

Anspieltipps:

  • Down From Dover
  • The Crane Wife 3
  • Easy Come, Easy Go
  • Ooh Baby Baby /li]

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