The (International) Noise Conspiracy - The Cross Of My Calling - Cover
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The (International) Noise Conspiracy The Cross Of My Calling


  • Label: Burning Heart/SPV
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei machen CDs muss man mit der Lupe oder zumindest ziemlich lange suchen, bis man herausgefunden hat, wer sich für eben jene Scheibe als Produzent verdingt hat. „The cross of my calling“, das offizielle vierte Werk der schwedischen The (International) Noise Conspiracy, geht da einen anderen Weg. Nicht zu übersehen steht Rick Rubin gleich auf dem Coverpickerl und ist auch auf der Rückansicht des Albums vertreten. Sind Dennis Lyxzén (Gesang), Lars Strömberg (Gitarre), Inge Johannson (Bass) und Ludwig Dahlberg (Schlagzeug) einfach nur froh mit dem amerikanischen Rauschebart zusammen zu arbeiten oder halten sie es für eine gute Idee explizit darauf aufmerksam zu machen, dass jemand ihr Album produziert hat, der in jüngerer Vergangenheit eine Band wie Linkin Park zur Radiorockband umfunktioniert und der neuen Platte von Metallica trotz übereifriger dynamischer Kompression grünes Licht gegeben hat?

Zum Glück ist bei „The cross of my calling“ weder der eine noch der andere Kritikpunkt zu bemängeln. Lediglich die Spannung, die in vielen früheren Songs präsent war, scheint diesmal verschwunden. T(I)NC verlagern stattdessen ihren Sound weg vom Punk hin zu mehr Rock der 60er Jahre und versprühen mit dem fabelhaften von einer Orgel unterstützten „Intro“ gleich Lust auf mehr. Anschließend muss der Hörer aber erst durch zwei durchschnittliche Stücke durch („Assassination of myself“, „Dustbins of history“), bis er mit „Arm yourself“ einen lässigen Track spendiert bekommt, der wie viele Songs auf dem Album vorrangig Spaß macht, denn sein Augenmerk auf den politischen Subtext zu lenken. Bestes Beispiel dafür ist gleich das nachfolgende „Hiroshima mon amour“. Als durch und durch gut gelaunte, leichte Nummer kredenzen die vier Schweden ein eigentlich schwer verdauliches Thema. Hier hätten wohl eher die schweren und nachdenklichen Klänge eines „Boredom of safety“ dazu gepasst.

Chef und Mastermind Dennis Lyxzén dürfte aber anscheinend allein das Vorhandensein einer Message wichtig sein, denn auch die Abrechnung mit dem Kriegstreiben der amerikanischen Politik („Washington bullets“) und die ungerechte Verteilung der Güter auf der Welt (wodurch auch die kommunistische Gesinnung der Band zur Aussprache gebracht wird) am Beispiel des sozialen Gefälles in Beverly Hills („Storm the gates of Beverly Hills“) wird zu subtil eingebracht um sich letztendlich mit den Problemen, auf die der ehemalige The Refused-Shouter aufmerksam machen will, auseinander zu setzen oder zumindest darüber nachzudenken. Mitsummfaktor und fingerschnippende Lockerheit bestimmen die Songs, mehr als Berieselung und gute Laune ist dieses Mal größtenteils nicht drin. Das ist natürlich schade bei einer Band, die sich noch Gedanken zu machen scheint, was in der heutigen Zeit so alles schief läuft oder bereits schief gelaufen ist.

Mit „I am the dynamite“ macht der Vierer aber z.B. wieder alles richtig und hämmert ihren Unmut leicht angepisst aus sich heraus, dass man dazu angehalten wird der Aussage dahinter auf den Grund zu gehen. Somit ist das vierte Oeuvre aus dem Hause The (International) Noise Conspiracy für den weiteren Verlauf der Band ein zweischneidiges Schwert: Bleiben lediglich die tanzbaren Melodien hängen, die dieses Mal stark in den Vordergrund getreten sind, können Lyxzén & Co. in Zukunft eigentlich auch über die Nachbarskatze singen, denn dann interessiert es ja eh niemanden, was Dennis von sich gibt oder aber die lyrische Seite setzt sich unverhofft durch und beim nächsten Mal wird (wie schon beim Vorgänger „Armed love“) der Schwerpunkt wieder mehr auf die Texte gelegt, die lediglich von der Musik eine Unterstützung erfahren. In diesem Sinne kann „The cross of my calling“ wohl als kleines Experiment verstanden werden, dass durchaus unterhält aber hoffentlich nicht die Idee (und somit die Wurzeln der Band) hinter dem ohnehin schon schwer auszumachenden Punk vergisst: die Kritik an sich. Wir hoffen für die Zukunft jedenfalls das Beste!

Anspieltipps:

  • Intro
  • Arm Yourself
  • Boredom Of Safety
  • I Am The Dynamite

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