Razorlight - Slipway Fires - Cover
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Razorlight Slipway Fires


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 39 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenig ist übergeblieben vom frischen und fetzigen Debüt „Up All Night“ aus dem Jahre 2004.

Mehr fahler Schein als Rasiermesser. Nicht nur das „Slipway Fires“ zu einem der heißesten Anwärter für das geschmackloseste Albumcover des Jahres zu zählen ist. Auch das was Johnny Borrell und Konsorten auf ihrem nunmehr dritten Tonträger anbieten, ist wahrscheinlich genau das, auf was alle die noch nie etwas mit Razorlight und ihrem egozentrischen Frontmann anfangen konnten, schon immer genau so von dieser Band erwartet haben: Ein Reinfall!

Wenig ist übergeblieben vom frischen und fetzigen Debüt „Up All Night“ aus dem Jahre 2004. Wohin man auch hört: Vergebens sucht man nach ähnlich genialem Songmaterial wie „Rock N’ Roll Lies“, „Vice“ oder „Stumble And Fall“. Und selbst ohrwurmige Hits („In The Morning“, „America“, „Before I Fall To Pieces“), wie sie auf dem zweiten und im Vergleich zum Erstling schon etwas abfallendenden „Razorlight“ zum Besten gegeben wurden, sind hier nicht in Hörweite. Lediglich das flotte, britpoppige und wiedererkennungsfähige „Hostage Of Love“ sowie das mit gehörig Drive und rockigem Refrain versehene „You And The Rest“ erinnern zumindest an vergangene und rasiermesserscharfe Bandspitzen. Denn da wo Brandon Flowers und seine Killers ihren gewagten, aber nicht wirklich überraschenden Schritt hin zu (durchaus auch guter) astreiner Popmusik angetreten sind, scheinen Razorlight mit eben jenem Vorhaben ins Taumeln zu kommen.

Da hilft auch kein angedachtes „Black Velvet“-Feeling (Alannah Myles 1989!) samt Gospelchor auf „Wire To Wire“ oder der Versuch die seligen Queen zusammen mit den Bee Gees und den Dire Straits im seltsamen 80er Jahre Verschnitt „Burberry Blue Eyes“ im Band eigenen Sound wiederauferstehen zu lassen. Auch „Tabloid Lover“ machten einst Bon Jovi um wallende Mähnenlockenlängen besser und die albumschließenden Pianoballade „The House“, die Borrell für seinen verstorbenen Vater geschrieben hat, übersteigt sogar die akustischen Schmerzgrenzen eines Sir Eltons „Candle In The Wind“. Dass das Ganze nicht zur musikalischen Farce ausartet, haben Razorlight den überschaubaren, aber dann auch leicht überdurchschnittlichen Nummern, wie dem für Zigarettenrauch vernebelte Auftritte, in kleinen Clubkellern prädestinierten und dabei enorm bluesigen Rock-Stück „Stinger“ oder auch dem hippeligen und entfernt an den Spearmint-Song der Foo Fighters erinnernden „Monster Boots“ zu verdanken.

Auf „Slipway Fires“ gibt es reichlich ruhige Nummern auf die meist enttäuschten Ohren und nur äußerst selten gelingt es Razorlight mit ihrem derweil durchschnittlichen Pop den Nerv des Hörers zu treffen. Die einstigen Rockwunderkinder sind mittlerweile in etwa so indie wie das verschwundene Walter eines Frank Steinmeier. Oft überproduziert und sentimental triefig hat sich diese Platte dem mittelmäßigen Niveau des sich selbst überschätzenden und häufig nervenden Frontmanns angepasst. Sehr bedauerlich!

Anspieltipps:

  • Hostage Of Love
  • You And The Rest
  • Stinger

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