Lucinda Williams - Little Honey - Cover
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Lucinda Williams Little Honey


  • Label: Lost Highway/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 65 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf „Little Honey” gastieren diesmal jede Menge bekannte Musikerkollegen.

Mit „Little Honey” bringt die dreifache Grammy-Gewinnerin Lucinda Williams 1½ Jahre nach „West“ (03/2007) ihr neuntes Studioalbum auf den Markt. Das hört sich viel an, ist es aber nicht. Denn die 55-Jährige ist schon seit 30 Jahren im Musikgeschäft, brauchte aber von ihrem Debütalbum „Ramblin’“ (1978) bis zu ihrem kommerziellen Durchbruch mit „Car Wheels On A Gravel Road“ (1998) unglaubliche 20 Jahre. Dazu kommt, dass der Arbeitsprozess zwischen den einzelnen Alben meistens mehrere Jahre in Anspruch nimmt, wodurch die Perfektionistin Lucinda Williams in der öffentlichen Wahrnehmung selten die Präsenz erlangte, die ihr aufgrund ihres großes Talents zusteht. Musikalisch ist die Songwriterin im weiten Feld des Americana zuhause. Sie ist bekannt für ihre düsteren Texte, die sie meist in melancholische Country-Balladen und schleppende Rocksongs verpackt.

Auf „Little Honey” gastieren diesmal jede Menge bekannte Musikerkollegen. So sind Matthew Sweet, Jim Lauderdale, Tim Easton, Charlie Louvin und Susanna Hoffs von den Bangles als Background-Sänger dabei, während Elvis Costello ein Duett beisteuert („Jailhouse tears”). Als Überraschung zaubert Lucinda Williams mit „Circles and X’s“ zudem einen über 20 Jahre alten Song hervor und gibt mit „It’s a long way to the top” ein AC/DC-Cover (!) zum Besten. Soviel zu den Rahmenbedingungen. Wichtiger ist jedoch, dass „Little Honey” kompositorisch und atmosphärisch wieder mal ein kleines Meisterwerk geworden ist.

Mit ihrer vom Leben gezeichneten Gänsehautstimme haucht Lucinda Williams jedem Song eine ganz besondere Stimmung ein, die auf das gesamte Album bezogen nicht so düster ausfällt wie in der Vergangenheit. So kann sich der Hörer heuer heraussuchen, ob er es wie Thees Ullmann halten möchte, der auf dem neuen Tomte-Album treffend feststellt: „Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören“ (man höre dazu „Knowing“, „Heaven blues“, „Rarity“, „Tears of joy“) oder ob er lieber die Hüften zu fröhlichen Country- und Bluessongs wie „Honey bee“ schwingt bzw. sich von einem intensiv rockenden „Little rock star“ mitreißen lässt.

Auf „Little Honey“ harmonieren die unterschiedlichen Stimmungen ganz prächtig miteinander. Das beginnt beim Opener „Real love“, der mit einem kapitalen Verspieler startet, um den sich aber niemand kümmert, und endet mit dem herrlich versoffen klingenden AC/DC-Cover „It’s a long way to the top“ als spartanischer Bluesstampfer. So liest sich die Handschrift eines wunderbar ausgewogenen Albums, für das eine Kategorisierung als „Americana“ nicht ausreichend ist. Denn „Little Honey“ ist ein Gesamtkunstwerk, das in der heutigen Veröffentlichungsflut viel zu selten anzutreffen ist.

Anspieltipps:

  • Rarity
  • Honey bee
  • Tears of joy
  • Little rock star
  • If wishes were horses
  • It’s a long way to the top

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