Janosch Moldau - Motel Songs - Cover
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Janosch Moldau Motel Songs


  • Label: Janosch Moldau Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Erneut offenbart Janosch Moldau sein Innerstes, seine Zweifel, seine Schwächen und zeigt gerade aufgrund dessen eine authentische Stärke, die man nicht allzu oft antrifft.

Dass Janosch Moldau konsequent seinen Weg als Singer/Songwriter der elektronischen Spielart weiterverfolgt und ihn eine große Leidenschaft antreibt, die wirklich nah geht, erkennt man nicht nur daran, dass neben dem Debüt „Redeemer“ (2005) auch die fünf Singles sowie das neue Album „Motel Songs“ auf dem künstlereigenen Label erscheinen. Er lässt sich für keine Plattenfirma zurecht rücken und nimmt damit auch den unbequemeren Weg in Kauf, wobei es umso schöner ist, dass das zweite Werk nach einiger Verzögerung nun erschienen ist und man sich gewiss sein kann: Die Intensität von „Redeemer“ wird weiter verfolgt und die Texte sind beinahe schmerzhaft authentisch, ohne das Markenzeichen aus melancholischer wie antreibender Sehnsucht zu vernachlässigen.

„This is a mournful journey...“ steht auf der Rückseite des Covers und diese Reise nimmt man gern auf sich, gerade auch weil trotz der innig melancholischen Töne Klischees außen vor bleiben und statt dessen eine kritische Betrachtung der Kirche, der Wirkung von Glauben und der Selbstsicht aufgeboten wird. Musikalisch gesellen sich zum Beispiel im Opener „Not With The Son“ neben der dunklen Ausstrahlung der Gitarre und gemächlichen Beats auch psychedelische Sounds dazu, die wunderbar in klaren Synthie-Flächen aufgehen. Stimmlich strahlt Janosch Moldau eine Wärme aus, welche die größtenteils dunklen Töne in eine entgegengesetzte Richtung lenkt, was der Gesamtwirkung sehr gut tut. Obwohl die Texte für sich stehen sollten, kann man wohl guten Gewissens behaupten, dass Zeilen wie „I´m no longer a holy one, I´m not with the son, I´m no longer a tortured one, my heartache is gone“ eine kritische Sprache gegenüber der Kirche anwenden, aber an anderen Stellen auch die Anziehungskraft von Glauben und der damit verbundene Sog durchaus positiv gesehen werden können.

Wie dem auch sei: Janosch Moldau wirft auf „Motel Songs“ erneut Fragen auf, die teils beantwortet werden, aber genauso viel Raum für eigene Interpretationen sowie weitere Fragen abseits von Kirche und Glaube lassen. Doch zurück zur Musik, die mit „Follow Me“ einen leicht zugänglichen Ohrwurm parat hält, diesen aber mit genügend Akzenten schmückt, um nicht die Spannung zu verlieren. Der erweiterte Einsatz der Gitarre tut der Scheibe sehr gut und fördert die Abwechslung, die aufgrund der variantenreich eingesetzten Synthesizer und Beats ohnehin schon auf einem hohen Level aus den Boxen dringt. Stark von Electro-Pop der moderneren Gangart geprägt, ist das Genre trotzdem schwer zu benennen, zu schwer wiegt der gefühlvolle, intensive Gesamteindruck, dem man keine Genre-Schranken zuweisen möchte.

Erneut offenbart Janosch Moldau sein Innerstes, seine Zweifel, seine Schwächen und zeigt gerade aufgrund dessen eine authentische Stärke, die man nicht allzu oft antrifft. Musikalisch ist neben dem bereits erwähnten Gitarreneinsatz besonders positiv zu sehen, dass die poppigen Strukturen oft von disharmonischen Elementen aufgebrochen werden, um die nächste Melodie noch größer erscheinen zu lassen. Mindestens der Herbst/Winter ist mit „Motel Songs“ vollends gerettet und es kann nur jedem, der zumindest eine Tendenz für elektronische Musik hat, empfohlen werden, dem Longplayer eine Chance zu geben!

Anspieltipps:

  • Not With The Son
  • Follow Me
  • Burning Pictures
  • One With The Sinner

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