Die Toten Hosen - In Aller Stille - Cover
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Die Toten Hosen In Aller Stille


  • Label: JKP/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Insgesamt kann die deutsche Rockinstitution mit dem neuen Hosen-Album durchaus zufrieden sein.

„Schachmatt, guten Tag / Es ist alles in Ordnung / Ihr könnt aufwachen, wir sind wieder da“ – mit diesen programmatischen Zeilen beginnt das neue Album der Toten Hosen. Vorbei, Campinos Ausflüge in die Schauspielwelt, vorbei auch die Experimente mit akustischen Instrumenten für MTV Unplugged. Die Signale aus dem Hosen-Lager sind deutlich: es wird wieder Zeit für Rock ’n Roll. Mit der Frage, was das noch mit der Punkrock-Vergangenheit der Band zu tun hat, hat man längst abgeschlossen. Wichtig ist nur eines: Die Zeichen stehen auf „Strom“.

Und diese Botschaft liegt auch im Kern der gleichnamigen ersten Single, die das ironisch betitelte neue Album „In Aller Stille“ eröffnet. Fast schon brachial klingen die Gitarren und Campino röhrt aggressiv und unverkennbar wie eh und je. Zwar braucht die Nummer ein paar Durchläufe, dann mausert sie sich aber eindeutig zu einem der besten Songs der Scheibe. Leider klappt das nicht bei jedem der dreizehn neuen Titeln so gut. „Innen Alles Neu“, „Alles Was War“ und „Wir Bleiben Stumm“ sind anständige Rocksongs, die zwar durchaus auf ihre Weise frisch und selbstreflektiv klingen, aber nicht wirklich den Ohrwurmcharakter besitzen, den man von Hosen-Songs gewohnt ist.

Dennoch kann man den Düsseldorfern nicht vorwerfen, nur auf Nummer Sicher zu gehen. Mit „Disco“ befindet sich ein Song auf der Scheibe, der mit seinem Band-untypischen Intro bestimmt die Anhängerschaft schockieren wird. Und auch das lässige „Auflösen“ mitsamt weiblicher Zweitstimme hat man so von den Toten Hosen noch nicht gehört. Derartige Spielereien hätte man tatsächlich eher den ewigen Konkurrenten aus Berlin zugetraut…

Dafür sind Fans alter Tage froh über Nummern wie „Leben Ist Tödlich“, „Pessimist“ und „Die Letzte Schlacht“, bei denen auch noch einmal der Punk gehen darf. Vor allem bei letzterem regiert zwar wieder der Bandtypische Pathos, aber wenn eine Band Zeilen wie „Doch ihr habt euch schwer getäuscht / Wenn ihr glaubt, dass man uns lenkt / Die letzte Schlacht gewinnen wir“ singen darf, dann sind das wohl die Hosen. Dazu haben sich einige wenige, ruhigere Momente eingeschlichen, auch wenn sie niemals das Niveau eines „Nur Zu Besuch“ erreichen. Dennoch überzeugt vor allem „Tauschen Gegen Dich“ mit einem guten Text.

Insgesamt kann die deutsche Rockinstitution also durchaus zufrieden mit dem neuen Album sein. Ein „Opium Fürs Volk“ ist es zwar genauso wenig geworden, wie ein „Auswärtsspiel“, dennoch aber eine anständige Platte die sich lückenlos in den ellenlangen Backkatalog der Toten Hosen einreiht. Und ein solches Album im 26. Jahr der Bandgeschichte verdient Anerkennung.

Anspieltipps:

  • Strom
  • Disco
  • Die Lette Schlacht
  • Angst

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