Veljanov - Porta Macedonia - Cover
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Veljanov Porta Macedonia


  • Label: Premium/SOULFOOD
  • Laufzeit: 69 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Balkanmusik ist zwar nie ausgestorben oder aus der Mode gekommen, aber trotzdem kann man sagen, dass sie so etwas wie ein Comeback hingelegt hat. Bands wie Devotchka oder Beirut saugen die vielfältige Klanglandschaft wie Schwämme in sich auf und formen daraus eine bezaubernde Hochzeit aus Pop und Folklore, die nie langweilig zu werden scheint. Alexander Veljanov, Sänger des deutschen Musikprojekts Deine Lakaien, lässt dahingehend nichts anbrennen und verweist mit dem Albumtitel seines neuesten Solowerkes unmissverständlich auf die eigene Heimat und eben jene Verschmelzung hin. Dabei stützt sich „Porta Macedonia“ gar nicht auf die folkloristischen Elemente, sondern baut diese wie selbstverständlich in die einzelnen Stücke ein ohne Kitsch oder Pathos Überhand gewinnen zu lassen.

Definitiv ein kluger Schachzug, allerdings wäre sicher jeglicher Anflug von flotten Zigeunerrhythmen dem Vorhaben eine Platte, die nicht nur zum Anhören sondern auch zum Nachdenken anregen soll, nicht gerecht geworden. „All diese Filme, in denen der Balkan aus lustigen, saufenden und tanzenden Musikanten besteht, sind genauso ein grauenhaftes Zerrbild wie bierkrugstemmende Bayern in Lederhosen“ erklärt Veljanov und unterstreicht damit den bewusst subtilen Einsatz eines byzantinischen Krummhorns, einer Kaval (mazedonische Hirtenflöte) oder der Zuria (ein Instrument ähnlich der Oboe), einige der vielen Instrumente, die dem Hörer in über einer Stunde präsentiert werden.

Der gebürtige Mazedonier selbst gibt sich stimmlich in Höchstform, huscht als das wandlungsfähigste Instrument durch die elf Stücke und lässt oftmals Parallelen zu Kirchenpredigern oder Hypnotiseuren zu, was vor allem an der fesselnden Klangfarbe seines Organs liegt, das manch schwachen Song durchaus aufzuwerten vermag. Letztendlich hilft das aber alles nichts, wenn die musikalische Seite nicht auch ein in sich stimmiges und geschlossenes Bild liefert, was auf „Porta Macedonia“ leider nicht immer der Fall ist. Zwar reizen die atmosphärischen Brocken „His vita“, „Dirt“ und „Your house on my hill“ mit einer gemeinsamen Spielzeit von fast 25 Minuten den Begriff Longtrack in all seinen Facetten aus und wissen diese auch sinnvoll zu füllen, machen es aber somit den kürzeren Stücken etwas schwer in punkto Stimmung mitzuhalten.

Der Opener „Der Kongress“ macht in dieser Hinsicht seine Sache noch am besten, distanziert er sich mit Schifferklavier, Drehorgel und ähnlich melancholisch eingesetzter Instrumente vom übrigen Instrumentarium, während Veljanov seinen Text präsentiert als würde er gerade selbst darüber sinnieren. In „Nie mehr“ werden die Rockgitarren in den Vordergrund gekehrt, „We can´t turn back“ stellt Orgelklänge in den Mittelpunkt und „Mein Weg“ lebt von der philosophischen Grundhaltung, während „The new order“ in seinen acht Minuten nicht wirklich wissen dürfte, wo es hin will und „Königin aus Eis“ mit seinem EBM-Rhythmus überhaupt fehl am Platz wirkt. Das witzige „Lily B.“ versprüht anfänglich mit seinen immer wieder unterbrochenen Trip Hop-Einlagen einen gewissen Charme, ist letztendlich aber zu lang geraten um den Hörer komplett zufrieden zu stellen und der Albumender „Zwei vor und drei zurück“ missfällt durch gleichförmige Ideen und fehlende Abwechslung, die nicht vom kritischen Text kaschiert werden können. „Vielleicht ist das gleichzeitig mein politischstes und privatestes Album“ meint Veljanov. Wir sagen: Es ist keinesfalls schlecht, wirkt aber auch stellenweise zu zerfahren und unentschlossen um es zur Gänze immer wieder zu hören.

Anspieltipps:

  • Dirt
  • His Vita
  • Your House On My Hill

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