Ezio - Ten Thousand Bars: Live - Cover
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Ezio Ten Thousand Bars: Live


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 76 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein wenig ungewöhnlich ist es schon, einer regulären Albumveröffentlichung zwei Jahre später eine gleichnamige Live-Aufnahme folgen zu lassen. Und in aller Regel ist die Motivation für eine solche Veröffentlichungspolitik dann auch keine künstlerische, sondern eine kommerzielle. Im hier vorliegenden Fall eher nicht. Denn Ezio eignen sich, ob ihrer überschaubaren Verkaufszahlen, eh’ nicht zur kommerziellen Ausschlachtung. Deshalb vertrauen wir der Presseinfo ihres Hamburger Labels Tapete Records, die unbescheiden behauptet, es handle sich bei Ezio um „eine der Livebands schlechthin“ - weshalb diese erste Veröffentlichung eines Live-Mitschnitts direkt als zwingend notwendig einzustufen ist. Und auch die Tatsache, dass die zugehörige Tournee selbstironisch mit „No Hit Wonder Tour“ betitelt war, nährt die Hoffnung auf, ähem, ehrliche 76 Minuten Musik.

Vor mehr als 1000 Zuhörern im beschaulichen Trier präsentierten Ezio, benannt nach ihrem Sänger/Songwriter Ezio Lunedei, eine liebevoll zusammengestellte Werkschau ihres Schaffens. Ruhig, fast zärtlich, leitet der Titeltrack des letzten Studioalbums „Ten Thousand Bars“ das Konzert ein – und bereits hier mag niemand mehr wirklich zweifeln an den Fähigkeiten der Jungs aus dem Londoner Vorort Cambridge, ihren Kompositionen auf der Bühne mehr Tiefe und Intensität zu verleihen, als dies im Studio überhaupt möglich wäre. So sehnsüchtig und verloren klingt die Stimme Lunedeis, dass jedes seiner Worte reflexartig ein aufmunterndes Nicken nach sich zieht. Auch ihr Faible für dezent eingestreute Gitarrensoli leben Ezio virtuos und deutlich exponierter als im Studio aus, was den schnelleren Stücken des abwechslungsreichen Sets die notwendige Kraft und Energie verleiht, um wirklich mitzureißen. Leicht machen sie es dem Publikum nicht, indem sie stetig wechseln zwischen ruhigen und lauten Tönen, weshalb begeistertes Mitgehen und andächtiges Lauschen häufig direkt ineinander übergehen.

Ein Spiel mit Stimmungen, das nur live wirklich aufgehen kann – wofür dieses Konzert einen wahrlich eindrucksvollen Nachweis liefert. Die Referenzen für die musikalische Ausrichtung der Engländer reichen von Steely Dan über Bruce Springsteen bis zu Neil Young – doch auch ihre Eigenheiten bewahren sich Ezio in jedem einzelnen Song. Verspielter als „The Wild Side“, sentimentaler als „Friends Again“, kraftvoller als „Moon“ klang Folkpop selten, weshalb „Ten Thousand Bars - Live“ möglicherweise tatsächlich eine dieser raren Zusammenstellungen ist, die sämtliche bereits im Besitz befindliche Werke eines Künstlers plötzlich seltsam überflüssig erscheinen lassen!

Anspieltipps:

  • Ten Thousand Bars
  • Moon
  • You're Strange
  • Friends Again

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