Captain´s Club - Bis Ans Ende Der Welt - Cover
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Captain´s Club Bis Ans Ende Der Welt


  • Label: Ferryhouse/WEA
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die „Fluch der Karibik“-Filmreihe hat dazu geführt, das sich Seemannslieder plötzlich einer ganz neuen Beliebtheit auch bei jüngeren Generationen erfreuen. Deshalb gingen die musikalischen Veröffentlichungen auch weit über den normalen Soundtrack hinaus, was liebevoll aufgemachte Werke wie „Rogue´s Gallery: Pirate Ballads, Sea Songs And Chanteys” bewiesen, auf dem u.a. Künstler wie Sting, Bono, Lou Reed, Bill Frisell, Jarvis Cocker und Rufus Wainwright vertreten waren.

Nach einer Idee von Stephanie Rohwer haben sich nun 12 deutsche Musikerinnen und Musiker für das Ferryhouse Label (Warner Music) ebenfalls dem Thema Seemannslieder angenommen und zusammen mit Franz Plasa als Executive Producer das Projekt Captain’s Club gegründet. Mit der Promi-Strahlkraft des amerikanischen Pendants kann es der Captain’s Club zwar nicht aufnehmen, aber als „prominentester Shanty-Chor der Republik“ lassen sich wenigstens national ein paar Meter machen. Doch zuerst fällt der Blick auf die Liste der beteiligten Künstler. Und dieser lässt den geneigten Musikfreund durchaus stutzen. Denn wenn das Label die Damen und Herren Musiker als „die Kapitäne der deutschen Musikszene“ bezeichnet, ist das, was damit suggeriert wird, eine glatte Frechheit!

Auf „Bis ans Ende der Welt“ ist nicht die Creme de la Creme der deutschen Musikszene versammelt, sondern zuerst einmal Künstler aus dem eigenen Haus, sprich von Warner Music (Nena, Max Mutzke, Diane Weigmann, Paulsrekorder). Und mit Laith Al-Deen, Pohlmann, EL*KE, Keimzeit und Kim Frank sind ferner Protagonisten beteiligt, die bis auf Laith Al-Deen, wenn überhaupt, nur in niederen Chartregionen stattfinden. Das ist selbstverständlich kein Qualitätsindikator, aber das Ergebnis ist am Ende halt doch eine ziemliche durchwachsene Angelegenheit.

Am Originalliedgut gibt es absolut nichts zu meckern. Stücke wie „Schön war die Zeit“, „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, „Hamborger Veermaster“ oder „Seemann, lass das Träumen“ sind deutsches Kulturgut mit Kultcharakter. Das ist vertone Reiselust, gepaart mit romantischem Fernweh. Da rauschen die Wellen und es schreien die Möwen. Der Hörer riecht förmlich den Sandstrand und schmeckt das Salzwasser. Leider gelingt dies auf „Bis ans Ende der Welt“ nicht durchgängig. Denn wer braucht schon das pseudo-atmosphärische Gewimmer eines Max Mutzke („Schön war die Zeit“) oder der ewigjungen Nena („Seemann, lass das Träumen“), auch wenn die Arrangements durchaus okay sind? Wer lässt sich schon von EL*KEs hölzernem Bollerrock („Auf St. Pauli spielt der Johnny Mundharmonika“) beeindrucken? Und was soll der Elektro-Punkrock-Schnickschnack von Paulsrekorder in „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“?

Doch es geht auch besser! Da wäre zum Beispiel die extrem gelungene Umsetzung von „Hamborger Veermaster“ (Malte Pittner), die kernige Darbietung eines Laith Al-Deen („5000 Meilen von zu Haus“), der feine Indie-Songwriter-Pop von Diane Weigmann („Störtebeker“), das psychedelisch angehauchte „Hey, brother, pour the wine“ von Pohlmann sowie die wunderbar atmosphärischen Titel von Kim Frank („Leuchtturm“) und Keimzeit feat. Jan Plewka („Singapur“). Diese retten „Bis ans Ende der Welt“ gerade so über den Durchschnitt. Schade, denn hier war deutlich mehr drin, wie die letztgenannten Künstler gezeigt haben.

Anspieltipps:

  • Singapur
  • Leuchtturm
  • Störtebeker
  • Bis ans Ende der Welt
  • Hamborger Veermaster

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