Dysfunctional By Choice - Travelling In Travel - Cover
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Dysfunctional By Choice Travelling In Travel


  • Label: Drakkar/SonyBMG
  • Laufzeit: 38 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer die zimperlichen Hörer schon mit dem einminütigen „Fog“ mitsamt der verzerrten, dissonanten Töne aus dem Raum jagt und dann auch noch offen zugibt, Tool-Fan zu sein, der arf sich vor dem Vergleich nicht scheuen. Das tun die vier Franzosen aber auch gar nicht, sondern brettern wild durch die Welt des modernen Rocks, wie ihn die Beatsteaks gerne spielen, konzentrieren sich aber auf Metal und Grunge als Hintergrundfarben. Ein kraftvoller und aussagekräftiger Mix ist dabei herausgekommen und gleich vier Instrumentallieder führen uns wieder zurück zu Tool. Wie eine Ode an „(-)Ion“ ertönt in Cut… ja, was ertönt da eigentlich. Es sind düstere Hintergrundgeräusche und nicht wie beim vierminütigen eintönigen Brachialinstrumentalrocker à la Isis. Klingt interessant oder doch eher abschreckend? Einfach mal weiterlesen!

Die eigentlichen Schmankerl sind aber natürlich die „richtigen“ Songs und was da von Beginn an auf einen niederprasselt, kündigt eine große Band an. Alert könnte von Tool höchst selbst geschrieben und so eingespielt worden sein, bis auf die melodische Ader, die sich am Ende des Liedes durchsetzt. Überhaupt macht das Gespür für die Harmonie in all der Kraft und Härte deutlich, dass hier mehr eine Bruderband der frühen Dredg und Trail Of Death aufspielt und Tool und Nirvana eher die Eltern sind, die Einfluss hatten, aber doch in einer anderen Welt leben. Spätestens der Shouter „Travelling In Travel (Out Of Trap)“ jagt die Eltern aus dem Zimmer und hinterlässt nur staunende Augen bei den Jüngeren über diese Symbiose aus Chartrock, wie ihn hier nur die Beatsteaks hinbekommen, und der Rauheit und Stärke der großen Vorbilder. Da schielt man schon ein wenig neidisch nach Paris.

Besonders während „Feedback Disease“ kommt der Vergleich zu den Deutschrockern wieder, denn hier wird im Refrain gekonnt aus vollem Halse geschrieen, während Strophen es schaffen, den schmalen Grad zwischen Krach und Kraft zu meistern. Dysby pusten endlich mal wieder ordentlich den Staub aus den Boxen. Da putzt man gerne mal wieder das Zimmer. Gerade in der zweiten Hälfte des Silberlings aus Westeuropa offenbart sich, dass der Krach oft das letzte Mittel gegen die Melodie ist. Nicht wenige werden bei „Non Reached Light“ schwelgen, wenn andere sich die Ohren zu halten. Es erinnert stark an „Leitmotif“ von Dredg, welches den Zugang auch durch Aggressivität und Schrammelige Gitarren, sowie ein donnerndes Schlagzeug erschwerten. Der Genuss gen Ende ist dann natürlich um so auserlesener oder bleibt unerreicht. Nicht jedem wird diese Art der Verschlüsselung gefallen.

Wer Klartext will: Bitte! Das hat man sich dann aber auch selbst zuzuschreiben, wenn “Pimple” ohne Gnade zum Headbangen auffordert und schwache Parkettböden ihre Grenzen kennen lernen lässt. Zwei Minuten Hardcore-Heavy-Metal-Melodien. Wie so oft auf dem Album, nimmt dann ein Instrumentaltrack den Wind aus den Segeln, was nicht schlecht ist, da der Adrenalinspiegel nicht zu sehr in die Höhe getrieben warden sollte. Allerdings kommen diese dann doch ein wenig zu leer daher. Zu atemberaubend sind heftige Rocker, vor denen selbst die so oft genannten Tool den Hut ziehen sollten, wie „Gotham“ (genau hinhören, die Batman-Hymne bleibt für viele Ohren unerkannt. Brillante Umsetzung!). Da tut es fast weh, dass die Jungs sich mit dem beinah acht Minuten langen “Underworld” doch übernehmen, da sie es nicht schaffen, die Spannung und Stimmung über den kompletten Track zu erhalten. Aber wer Songs wie „Gotham“ oder den Titeltrack schafft, darf sich – besonders auf einem Debüt – noch ein paar Ausrutscher leisten. Wenn Dysby so fleißig weiterlernen feilen und sich endgültig finden, steht ihnen noch großes bevor. Und uns auch, denn aus kleinen Mini-Boxen macht dieser melodiöse Krach nur halb so viel Spaß!

Anspieltipps:

  • Travelling In Travel (Out Of Trap)
  • Feedback Disease
  • Gotham

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