Moby - Last Night Remixed - Cover
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Moby Last Night Remixed


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 74 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist ganz schön lange her, dass man Moby nur mit viel Mühe entkommen konnte. Angelo Badalamentis romantische Filmmusik für „Twin Peaks“ mit einem munteren Technobeat aufzupumpen (‚Go’), eine simple Idee bis zum erbrechen auszureizen - Melodiesample und Technobeat zum Dauerhit zu vereinen - und „Play“ neun Millionen Mal unter Leute zu verscherbeln, die früher an die Loveparade glaubten, reichte dem cleveren kleinen Glatzkopf aus New York dabei nicht. Einen neuen, höchst fragwürdigen Trend half er zu etablieren: en masse ließ er seinen Output lizenzieren, sodass seine Songs plötzlich in allen möglichen Werbespots gesichtslosen Produkten eine gewisse popkulturelle Aura verliehen. „Porcelain“ unterstützte einen TV-Werbespot für Baileys, zu „Find My Baby“ golfte sich Tiger Woods durch einen Clip für American Express, und so weiter und so weiter. Der Rolling Stone hatte ganz recht, als er vor Jahren konstatierte, der heute über 40-Jährige sei eine Art DJ Bobo der Besserverdiener. Seinen unregelmäßig stattfindenden DJ-Sets im hippen Le Royale oder Hiro Ballroom beizuwohnen ist New Yorker High-Society-Pflicht.

Es nicht mitbekommen zu haben ist eingedenk der früheren Dauerpräsenz, ja ein kleiner Grund zur Freude, aber Moby hat dieses Jahr ein erwartungsgemäß schlechtes, unzeitgemäßes, aber massenkompatibles Album herausgebracht. Ein Konzeptalbum über sein Steckenpferd, die Disconacht, von Beginn bis zum kalten morgendlichen Abchill. Das Lizenzierungspferd hat sich ausgeritten, die größtmögliche Dollaranzahl, nach Haus oder in die Schweiz geschleppt, aber Geschäftsmann, bleibt Geschäftsmann. „Last Night Remixed“ lädt Klassenkameraden und Nachfolgebeatbastler zur Neueinkleidung des aktuellen Albums ein. Alles in allem passiert hier wenig spannendes, was vorlagenbedingt sein dürfte. Sicher ist: dazu wird getanzt werden. Mit Sicherheit aber nicht im Underground oder irgendeine Art von Szene. Auf MTV-Parties, Promigeburtstagen und im zwanzig-Euro-Eintritt-Club wird sich dieser Silberling heimisch fühlen, für wen dies folgenswerte Kriterien darstellen darf hier also getrost zugreifen.

Zum Schluss noch das Namedropping: Spencer & Hill vergreifen sich an „Disco Lies“, die Shapeshifters verbessern „I’m In Love“, der Deutsche Tocadisco pimpt „Live For Tomorrow“ und der Franzose Kris Menace poliert „Ooh Yeah“. Mobys Remixalbum: In fünf Jahren ist davon nichts mehr übrig.

Anspieltipps:

  • I'm In Love - The Shapeshifters Maximal Remix
  • Disco Lies - Spencer & Hill Remix
  • Ooh Yeah - D.Ramirez Haunted Playground Remix

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