David Byrne & Brian Eno - Everything That Happens Will Happen Today - Cover
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David Byrne & Brian Eno Everything That Happens Will Happen Today


  • Label: Essential/INDIGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Bevor nächste Woche (also am 21.November) die seit Jahren verschobene Veröffentlichung der Guns N‘ Roses-Scheibe „Chinese democracy“ ins Haus steht und der November damit eigentlich schon genug Aufsehen erregt, haben sich Brian Eno und David Byrne mit ihrem ersten Album seit dem revolutionären 1981er Werk „My life in the bush of ghosts“, das Sampling erstmals in einem anderen Kontext als Hip Hop brachte, ebenfalls wieder zusammengetan und liefern mit „Everything that happens will happen today“ ein gut gemeintes, in elf neuen Stücken gegossenes Resümee ihrer Arbeit als Duo ab.

Den Einfluss von Produzent (letzte Arbeit war Coldplays „Viva la vida or death and all of his friends“) und Ambient-Entwickler Eno und die des Talking Head-Vorstands Byrne auf den Pop braucht wohl nicht näher erläutert werden, darum konzentrieren wir uns auf vorliegenden Longplayer. Der dürfte selbst Langzeitfans einiges Kopfzerbrechen bereiten, denn trotz der betont warmen Klangflächen, sowie gelegentlich progressiver Elemente und pluckernder und ratternder Samples aus dem unerschöpflichen Baukasten des Briten, der mit „Everything that happens...“ einen seiner Aussage nach elektronischen Gospel zelebriert, bleibt der eigentliche Song meist auf der Strecke.

Bereits „Home“ und „My big nurse“ sind Schunkelpop, den man bedenkenlos in Großkaufhäusern laufen lassen kann und das selbst während der Weihnachtszeit. Gerade einmal die Textzeile „When the angel fucks the whore“ lässt aufhorchen, lenkt aber trotzdem nicht von der unsäglich langweiligen Radiokonformität der beiden Songs ab. Erst „I feel my stuff“ versucht sich an einer vertrackteren Anlage mit seriell angelegter Klavierführung, Trip Hop-Samples und überzeichneter Performance Byrnes, bis der Track ab der Mitte in rockige Gefilde mit laut aufschreiender E-Gitarre mündet und diesen Umschwung als Anlass nimmt die Nummer im Crescendo fortzusetzen und ruckartig ausklingen zu lassen. Dummerweise lässt „Everything that happens“ die spannungsgeladene Darbietung des vorangegangenen Liedes völlig kalt und mäandert ziellos vor sich hin, bis „Life is long“ mit Singalong-Refrain eine Parallele zu Monty Pythons Feelgood-Nummer „Always look on the bright side of life“ zieht und rein musikalisch wohl den anspruchslosesten Song des Albums darstellt.

Das 2 ½ Minuten lange „The river“ zeigt in Kurzform, was Eno wohl unter elektronischem Gospel versteht, während „Strange overtones“ wieder dem Pop frönt, „Wanted for life“ die harten Synthie-Sounds und Byrnes verzerrte Stimme in keinen stimmigen Song zusammenführen lässt, „One fine day“ erneut in die Schunkelecke ausbricht und „Poor boy“ mit progressiv-hektischem Aufbau den letzten Geniestreich vor dem ruhig ausklingenden Abschluss „The lighthouse“ setzt. Der aufmerksame Leser wird es schon erraten haben, ein Geniestreich ist „Everything that happens...“ nicht geworden. Stellenweise häuft der britische Produzent Ballast an, der den Tracks die Luft zum Atmen nimmt und auf der anderen Seite hätten einige Stücke wesentlich mehr Abwechslung vertragen, die aber nicht einkehrt. Dieses Ungleichgewicht sorgt auch letzten Endes dafür, dass die erste gemeinsame Platte seit fast 30 Jahren von Byrne und Eno zu einer zerfahrenen und unschlüssigen Angelegenheit wird. Schade!

Anspieltipps:

  • Poor Boy
  • I Feel My Stuff
  • Strange Overtones

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