Scott Weiland - Happy In Galoshes - Cover
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Scott Weiland Happy In Galoshes


  • Label: Soft Drive Records
  • Laufzeit: 90 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Unterm Strich ist „Happy In Galoshes” ein ambitioniertes, aber auch durchwachsenes Album, mit dem Scott Weiland sein Talent als Songwriter und Sänger unterstreicht.

Etwas mehr als zehn Jahre liegen zwischen „Happy In Galoshes” (in den USA bereits Anfang November 2008 erschienen) und „12 Bar Blues” (03/1998), den beiden Soloalben von Scott Weiland (41) – seines Zeichens Ex-Sänger bei den Mainstream-Grungern Stone Temple Pilots und dem Altherrenverein Velvet Revolver. Eine bescheidene Ausbeute, wenn man bedenkt, dass mit genannten Bands in diesem Zeitraum auch nicht wirklich viel los war (vier Studioalben, um genau zu sein). Aber sehen wir es positiv und schieben es nicht auf die Drogenvergangenheit des Charakterkopfs. Herr Weiland meldet sich eben nur dann zu Wort, wenn er etwas zu sagen hat. Auf „Happy In Galoshes” gibt er gleich reichlich davon zum Besten!

Das Album, das auch als Deluxe Edition mit einer Bonus-CD mit weiteren neun Songs erscheint, ist als Konzeptwerk gedacht, das sich stilistisch ziemlich stark austobt, aber dennoch die Musik Weilands vorheriger Arbeitgeber großzügig ausspart. Auf „Happy In Galoshes” geht es nicht um Alternative bzw. Hardrockmusik, sondern um die drei großen „B“ der Popmusik: Bowie/Beatles/Beach Boys. Diese steckte Weiland zusammen mit den Produzenten Doug Green (Velvet Revolver, Sheryl Crow, The Crystal Method) und Steve Albini (Bush, Helmet, PJ Harvey) in ein experimentelles Gesamtkunstwerk, das im Laufe der Jahre seiner Entstehung zu einem 20 Songs umfassenden Doppelalbum mit 90 Minuten Spielzeit heranwuchs. Wichtig: Am Ende ist es immer noch (70s inspirierte) Rockmusik, die eben nicht so konventionell daherkommt.

Nicht alle Stücke auf „Happy In Galoshes” stammen im Original von Scott Weiland. Ein paar Coverversionen haben sich ebenfalls ins Programm gemischt. Das sorgt für noch mehr stilistisches Gewusel, aus dem die recht gewagte Interpretation von David Bowies „Fame“ als Electro-Oldschool-HipHop-Track in Zusammenarbeit mit dem Londoner DJ Paul Oakenfold heraussticht. Darüber hinaus nimmt sich Weiland noch Palo Altos „Some things must go this way“ sowie „Reel around the fountain“ von The Smiths auf sehr spezielle Art und Weise vor. Da merkt man schnell, dass Herrn Weiland gerne mal der Gaul durchgeht, was sich durch das ganze Album zieht, etwa wenn in „Pictures & Computers (I‘m not superman)“ Mariachi-Trompeten erklingen oder ganz zum Schluss ein katholisches Kirchenlied (!) nachempfunden wird („Be not afraid“).

Dass Scott Weiland das Rocken nicht ganz sein lassen kann, zeigen Songs wie „Missing Cleveland” (ein hitverdächtiger Track, der zurecht als Single ausgekoppelt wurde) oder „Blind confusion“, in dem Weiland wie eine Mischung aus Axl Rose (Guns N’ Roses) und Dave Pirner (Soul Asylum) krächzt bzw. singt. Nichtsdestotrotz: Die Härte bleibt gemäßigt. Dafür segeln „Tangle with your mind“ und „The man I didn’t know!“ verdächtig nah an Country- und „Killing me sweetly“ an Bossa-Nova-Gefilden vorbei. Das ist gewagt, aber durchaus stimmig und abwechslungsreich, auch wenn der Spaß ab und zu in die Hose geht wie z.B. bei „Big black monster“, einem etwas merkwürdigen Electro-Popsong oder „Sometimes chicken soup“, das wie nach einem Versuch eine Prince-Ballade zu kopieren, klingt.

Unterm Strich ist „Happy In Galoshes” ein ambitioniertes, aber auch durchwachsenes Album, mit dem Scott Weiland sein Talent als Songwriter und Sänger unterstreicht. Zudem merkt man sehr deutlich, dass der 41-Jährige ohne den Druck und die Vorgaben eines Majorlabels an den Songs gearbeitet hat. Die verantwortlichen Manager der Branchenriesen wären beim Genuss der 20 Songs sicher mehr als einmal ob der schieren Experimentierlust des Herrn Weiland erschrocken zusammengezuckt. Darauf einen Dujardin, Scott!

Anspieltipps:

  • Fame
  • Paralysis
  • Missing Cleveland
  • Blister on my soul
  • She sold her system
  • Reel around the fountain
  • Pictures & Computers (I‘m not superman)

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