Martin Orford - The Old Road - Cover
Große Ansicht

Martin Orford The Old Road


  • Label: Peaceville/SPV
  • Laufzeit: 58 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Martin Orford macht Schluss (mit der Musik) und damit seine Fans ihm möglichst viele Tränen nachweinen gibt es zum Ende seiner Karriere, die hauptsächlich aus seiner Arbeit als Keyboarder bei IQ besteht, ein Abschlusswerk. Beschäftigen wir uns also mit der Frage, werden wir ihn vermissen, oder ist es gut so, dass man auch mal einen Schlussstrich zieht?

Der Grund für seine Abkehr vom Musikmarkt ist angeblich die Internetpiraterie, die es Musikschaffenden zunehmend schwerer macht, für ihr künstlerisches Dasein ansprechend entlohnt zu werden. Na gut, dass es andere, progressive Wege gibt, mit diesem Problem zurechtzukommen, als sich lamentierend zurückzuziehen, beweisen die Kollegen von unter anderem Radiohead oder Marillion.

Als Schlusswerk hat Orford ein solides Rock-Album – nach eigener Aussage ein Retro- und kein Prog-Album – vorgelegt. Wenn Retro bedeuten soll, dass sich wenig Innovatives aber viel Solides darauf finden lässt: Volltreffer. Vieles wirkt in der Tat aufgewärmt, schon mal gehört oder schlimmstenfalls langweilig. Doch vom schwachen Beginn mit „Grand Designs“, das verdächtig nach Spock’s Beard klingt, sollte man sich nicht abschrecken lassen. Auf die Bärte folgt ein Meat Loaf-Intro bei „Power And Speed“ – na gut, nach den ersten 30 Sekunden hat der Song zwar keine Gemeinsamkeiten mehr mit dem schwergewichtigen Opern-Rocksänger, aber an Überzeugungskraft gewinnt der Instrumental-Song mit einer soliden Aufeinanderfolge von Soli nicht.

Das Beste hat sich Orford für den Schluss aufgehoben – das gilt zwar nicht für das Album im Dasein seines Schaffens – aber immerhin für die letzten vier Songs – den besten 30 Minuten des Albums. Angefangen mit dem Titeltrack, in dem die Mischung von Tempi-Wechseln mit eingängigen Refrain gut gelungen ist und die Fidel für interessante Kontraste sorgt. „Out In The Darkness“ hebt sich zunächst ein wenig vom Einheitssound des Albums ab, endet aber letztendlich in demselben. Höhepunkt – ohne allerdings den Hörer vom Sofa zu reißen – ist der Longtrack „The Time And The Season“. Dafür das Orford kein Prog-Album machen wollte, ist ihm hier ein Vorzeige-Progsong gelungen. Ein wenig Romantik kommt mit dem „Endgame“ auf.

Fazit: Werfen wir noch einen Blick auf das Cover, das eine alte, verwachsene Straße zeigt. Eine verfallene Brücke als zivilisatorischer Rest weist auf bessere alte Zeiten hin. Früher war alles besser? Nun gut, wenn früher alles so war wie auf „The Old Road“ lohnt es sich nicht, dem Vergangenen nachzutrauern. Wie es auf der Cover-Straße abseits der Zivilisation nicht viel zu entdecken gibt, lässt auch die musikalische Seite bis auf solide Musikerarbeit mit ansprechendem Songwriting keinen großen Zukunftssprung zu. Also: Gönn` Dir eine (längere) Pause und beglücke uns dann noch einmal mit einem innovativeren Comeback-Album – so kommst Du uns nicht davon.

Anspieltipps:

  • The Old Road
  • The Time And The Season
  • Endgame

Neue Kritiken im Genre „Prog-Rock“
6.5/10

The Mission
  • 2017    
Diskutiere über „Martin Orford“
comments powered by Disqus