Carl Carlton And The Songdogs - Songs For The Lost And Brave - Cover
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Carl Carlton And The Songdogs Songs For The Lost And Brave


  • Label: Ferryhouse/WEA
  • Laufzeit: 72 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie beschreibt man das neue Carl-Carlton-Album „Songs For The Lost And Brave“? Zum Beispiel so: Stundenlanges Nachdenken zum Gedudel beim Einschlafen, Zähneputzen, Frühstücken, Zocken, Arbeiten und wobei auch noch immer. Doch dann kommt der Geistesblitz. Ja genau! Wieso kommt man nicht schneller darauf? Freuet euch, ihr Kinderlein, denn Onkel Carl lädt ein zum 15-Gänge-Menü für die ganze Familie. Bluesige Riffs, Swing-Einlagen, Balladen und Coverversionen beliebter Hits werden angeboten, was für ein Augen- (bzw. Ohren-)schmaus. Den Gaumen will das Ganze aber nicht so recht hinunter. Wieso? Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen sie Ihren Ohrenarzt.

Viele Köche haben ganz viele tolle Gerichte gezaubert und die Leute waren von diesen so begeistert, dass man so auch mal öfters essen wollte. Im modernen Zeitalter kein Problem, denn von Pommes über Klöße bis hin zum feinsten Filet (inklusive dieser Instantsoßen), gibt es inzwischen alles in der Tiefkühltruhe. So sieht das auch beim werten Herrn Carlton aus. Das Gericht kommt dampfend aus der Mikrowelle, hat den Großteil des Geschmacks eingebüßt und es bleibt dieses „Das habe ich doch schon einmal irgendwo gehört“-Gefühl. Dieser bittere Nachgeschmack!

Einige werden das als übertrieben ansehen. Werden bösartig auf diese kritischen Zeilen reagieren, Tatsache ist, dass der Großteil der Tracks schlichtweg mit einer Rolling-Stones-Schablone erstellt wurde, nur wurden die eigenständigen Ideen (und auch die wirklich guten der Altmeister) vergessen. Carl Carlton rühmt sich oft damit, eine gute Schule besucht zu haben, indem er in Irland so unendlich viele wichtige Musiker traf. Dass das nicht immer positiven Einfluss haben muss, zeigt Carlton, der routiniert und fast schon lieblos seine Vorbilder abpaust. Spätestens bei einer der überflüssigsten Interpretationen von Buffalo Springfields „For What It’s Worth“ (Was soll das denn bitte? Der Song ist durch die Filme „Lord Of War“ und „Tropic Thunder“ sowieso im Ohr der Allgegenwärtigkeit) platzt einem der Kragen. So hätte das auch eine einfache Schülertruppe aufnehmen können, gibt man ihnen nur das richtige Equipment.

Die Frostkost wird spätestens nach zehn Liedern nicht mehr auf Tellern, sondern direkt in Pappverpackungen serviert. Carlton hat so ziemlich jedes Riff dreimal ausgereizt, keines der Instrumente hat auch nur einmal wirklich einen Akzent setzen können, außer vielleicht der Gitarre, die dann aber wieder stark an die rollenden Steine erinnert. Dann aber eher wie ein Haufen Kieselsteine und keine Lawine von richtigen Brocken.

Trotzdem geht das Album noch eine knappe halbe Stunde weiter und will sich einfach nicht verabschieden. Es wäre ja auch unhöflich den nächsten Gang zu überspringen. Aber hey, Carl Carlton hat ein klasse Album zum Bügeln, Autofahren und Einschlafen gefertigt. Man konzentriert sich nämlich nach gewisser Zeit garantiert nicht mehr auf die Musik. Wobei mir gerade das mit dem Einschlafen und dem Autofahren irgendwie nicht so gut in den Kram passt. Natürlich bietet „Songs For The Lost And Brave“ keinen Katzenjammer, doch es ist so unglaublich nichtssagend und voller Leblosigkeit, dass nur wenige ihre helle Freude an den inspirierten Erinnerungen an große Momente der Musikgeschichte haben werden, die der gute Mann uns da kredenzt. Mund abwischen, weitermachen.

Anspieltipps:

  • Spoke On The Wheel
  • Keep On Swingin’
  • King Of Nothing

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