Luttenberger-Klug - Mädchen Im Regen - Cover
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Luttenberger-Klug Mädchen Im Regen


  • Label: Deag Music/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Im März 2007 starteten die beiden steirischen Mädels Chrissi Klug und Michelle Luttenberger mit „Mach dich bereit“ ihren Frontalangriff auf die österreichischen und deutschen Albumcharts, nachdem der zweite Anlauf der Single „Super Sommer“ endlich einen Erfolg in den Hitparaden vorweisen konnte und die nachfolgende Auskoppelung „Vergiss mich“ mit ohnehin 40 Wertungswochen in den Austria Top 40 (Platz 6 war trotzdem das Höchste der Gefühle) durch die Decke ging. In Deutschland reichte es allerdings nur bis maximal Platz 29 und 9 Wochen in den Charts. Auch das Debüt blieb hinter den Erwartungen zurück und konnte sich überhaupt nur eine Woche auf Platz 68 behaupten (in Österreich immerhin 26 Wochen mit Platz 5 als Spitze), was angesichts des umsatzträchtigeren Marktes natürlich bitter ist.

Das Problem (abgesehen vom musikalischen Aspekt) von „Mach dich bereit“ dürfte möglicherweise die Übersättigung an Deutschrock-Bands gewesen sein, die mit Silbermond, Wir sind Helden, Juli und Christina Stürmer eine starke Konkurrenz aufweisen und von daher schon eine außergewöhnliche Aufmachung oder ausgefallenes Image (Beispiel: Jennifer Rostock) hinter der Band oder dem Künstler notwendig ist um sich zu behaupten. Leider konnten Luttenberger-Klug diese Chance nicht nutzen und lieferten seichten Teenie Pop der Marke 08/15 mit Texten aus der Sparte „Liebesallerlei“ für 14jährige Mädchen, die allerdings keine geringere Band als Tokio Hotel im Kopf gehabt haben und von daher schon nur mehr eine ziemlich kleine Gruppe für die beiden Steirerinnen übrig geblieben sein dürfte.

Es ist klar, dass eine von Grund auf erneuerte Basis notwendig war um ein noch vorhandenes Interesse bei den Zielgruppen zu wecken. Vorhang auf für „Mädchen im Regen“ und zwar in doppelter Hinsicht, denn nicht nur die erste Single hört auf diesen Namen, sondern auch Album Nummer 2. Gut, der Titelsong macht eigentlich da weiter, wo „Vergiss mich“ aufgehört hat (nämlich bei einer Halbballade aus der Schublade „Altbewährt und ganz okay“), aber einen gewissen Reifungsprozess kann man dem Lied über das Ende einer Beziehung nicht absprechen. In gleichem Maße verhält es sich auch mit den anderen 14 neuen Tracks. Besonders auffällig ist die wesentlich rockigere Herangehensweise und das generell erwachsenere, wenn nicht sogar eine Spur zu erwachsene, Auftreten der 18- bzw. 19-Jährigen.

Diese zwei Fakten schützen natürlich nicht vor nervigem oder langweiligem Unfug wie „Stop“ oder der Beschreibung von bereits zig-Mal durchgekauten Gefühlszuständen („100 Flieger“). Dennoch ist eine Tendenz nach oben hörbar, denn die Platte ist im Vergleich zum Vorgänger vor allem in den Bereichen Gitarre und Schlagzeug wesentlich detaillierter gestaltet worden, was dem Hörerlebnis natürlich zugute kommt. Hervorstechend sind jedoch die beiden akustisch begleiteten Songs „Sag doch einfach“ und „Kinder“, die gut gemachten Pop darstellen, der selbst ältere Semester anspricht, selbst wenn eine gewisse Affinität zu Bands dieser Art natürlich eine Grundvoraussetzung ist, da Luttenberger-Klug mit ihrem Zweitwerk auch keinen gestandenen Rocker oder den anspruchvollen Pop-Fan vor dem Ofen hervorlocken werden. Vielleicht schaffen es Chrissi & Michelle eines Tages ja, dass sich diese beiden Lager in der Mitte treffen? Für „Mädchen im Regen“ gilt jedenfalls: Besser als das Debüt, Luft nach oben gibt es aber trotzdem noch genügend, da sich viele Songs nur in Nuancen vom Vorgänger unterscheiden. Also ranhalten, Mädels!

Anspieltipps:

  • Kinder
  • Flieg mit mir
  • Sag doch einfach

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