Aloha From Hell - No More Days To Waste - Cover
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Aloha From Hell No More Days To Waste


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn über 1,5 Millionen Menschen sich für eine Band aus Aschaffenburg interessieren, dann schnellt mindestens eine Augenbraue überrascht in die Höhe. Vivien Bauernschmidt (Gesang), Moritz Keith und Andreas Gerhard (Gitarre), Maximilian Forman (Bass) und Felix Keith (Schlagzeug) verkörpern die neue deutsche Rockentdeckung, mit dem süffisanten Bandnamen „Aloha From Hell“. Enormes Interesse heißt aber noch lange nicht enorme Qualität und dass ein Fernsehsender die neue Single-Auskopplung für die sich immer wieder wiederholende Werbung nutzt, ist zwar eine PR-Aktion erster Güte, jedoch weiterhin kein Beweis, dass Deutschland brüllen muss, dass es wieder eine ambitionierte Supergruppe hervorgebracht hat.

Preise hat es inzwischen genug geregnet, sei es in Bayern oder im Rest des Heimatlandes. Leider wird einmal wieder bestätigt, dass die englische Sprache es Bands schlichtweg einfacher macht, ins Rampenlicht zu kommen und die junge Generation sich mehr mit der englischen Sprache verbunden fühlt, doch dies sei jetzt mal nur eine Anekdote am Rand und keinesfalls eine Kritik. Wenn Kritik sich bei all den Preisen bemerkbar macht, dann bei genauerer Betrachtung eben dieser. Die Band ist nämlich bei den Kids ziemlich beliebt. Auch das ist kein Verbrechen und hört sich gleich wieder wie ein Vorwurf an (diesmal ist es allerdings auch ein leiser). Ein gutes Beispiel ist (greifen wir einmal vorweg) Miley Cyrus. Viel poppiger als die deutschen Rocker, aber Bekanntheit ist diesem Mädchen sicher. Dieser Miley hört man an, dass das noch Teenierock ist und es auch noch nicht mehr sein soll (vielleicht doch, aber dann sollte man mal die Wattebauschgitarren austauschen). Auf jeden Fall war das Album zielorientiert. Wenn Aloha From Hell neben Themen, die nicht eindrucksvoller als ein Frühstück zu dritt am Neujahrsmorgen/Nachmittag (je nach Schlafrhythmus) auch so etwas wie ungewollte Schwangerschaften behandeln und die kleinen sich aber zu verspielten Arrangements hingezogen fühlen, stimmt etwas zwischen Stimmung und Botschaft der Songs nicht wirklich.

Aber kommen wir zur Musik. Es soll sich ja nicht um eine Gesellschaftsanalyse handeln. Obwohl die Anzeichen, die sich verdichteten, jetzt wie klarer Sonnenschein durch Wolkendecken strahlen. Rock ist schon der Titeltrack alle mal, doch die Schublade College-Rock öffnet sich sehr weit. International bestehungsfähig ja, aber es ist diese „I’m Not Okay (I Promise)“-Atmosphäre des My-Chemical-Romance-Krachers vorhanden, der ja genau diese Stimmung gleichzeitig persifliert. Hier wird aber die nicht unbedingte neue, aber immer wieder nützliche Erkenntnis, dass es die gegebene Zeit zu nutzen gilt (CARPE DIEM!) jedoch bierernst angegangen. Beim zweiten Track will der instrumentale Teil erwachsen wirken, da macht aber das verspielte Gesangsorgan Viviens alles zunichte und sorgt für einen Teenagerstadionrocker. Die sympathische Anspielung auf Cindy Lauper geht hier fast unter. Wir springen jetzt auch schnell ein paar Tracks weiter, denn „Girls Just Wanna Have Fun“ wurde auch noch neu vertont. Warum diese unnütze Verdoppelung? Sie hätten den Song in „Can You Hear Me Boys“ einschleusen können, aber allein stehend wirkt er überflüssig und ausgekaut (ein wenig wie bei Miley Cyrus… nur natürlich wieder rockiger. Wir wollen das Image wahren).
Zurück in die richtige Reihenfolge kommt „Don’t Gimme That“ und man fragt sich manchmal, was manche Bands erfolgreich macht und was andere im Regen stehen lässt. Die einen jubeln unter Champagner, die andere holen sich eine kräftige Erkältung unter Regenwasser. Der Song ist nichts Besonderes, nichts was andere Bands nicht hinbekommen würden. Ein wenig erinnern die Aschaffenburger an Juli, die sich auch zu sehr an Radiosongs festgehalten haben. Der Rest versinkt gerne im Nirvana der Musikwelt und das ist im Gegensatz zur legendären Band oder den Vorstellungen des Buddhismus nicht unbedingt gut. Der Unterschied zwischen Nichtssagern wie „Fear Of Tomorrow“ und der neuen Single „Walk Away“ ist, dass es sich bei letzterer um eine Ballade handelt. Das ist die große Neuigkeit!

Gerade wenn man die Band endgültig abhaken will, versucht „Don’t Hurt Yourself“ den Kritiker eines besseren zu belehren. Es geht auch atmosphärisch und es geht auch erwachsen, ohne verkrampft zu wirken. Auch „Wake Me Up“ (die Schwangerschaftsgeschichte) funktioniert noch, wenn auch wieder zu viel getan wird. Spätestens bei diesem Song wird deutlich, dass die Band sich verbissen im Rock-durch-Gitarren selbst erstickt und keinen individuellen Stil erzeugen kann. Wenn die Riffs mal nicht aus pausenlosem Getöne bestehen, dann klingt es wieder wie bei „Hello, Hello“. Man sieht die 12-17 Jährigen geradezu dazu hüpfen. Das dürfte dann aber auch 90% des Fankontingents ausmachen. In den Anschlusstiteln streiten sich diese beiden Stile um den Hörer. Man wünscht sich phasenweise, diese Band hätte nur einen Gitarristen. Es ist auf die Dauer nur noch anstrengend und eine wirkliche Abwechslung ist nicht mehr auszumachen. Aber die Songs sind ja jetzt auch schon Bonus und sollten als Geschenk gesehen werden (oder als Offenlegung diverser, vorhandener Schwächen). Tatsache ist, dass diese Band international bestandsfähig ist. Nicht mehr, nicht weniger und ich bin jetzt irgendwie auf das nächste Output der Band gespannt… und auf das von Miley Cyrus.

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