Thomas Godoj - Plan A! (Platin Edition) - Cover
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Thomas Godoj Plan A! (Platin Edition)


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 85 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Vierteljahr nach Veröffentlichung von „Plan A!“, dem Debütalbum von DSDS-Sieger Thomas Godoj, kann mit Fug und Recht konstatiert werden, dass der Plan, nicht mit Dieter Bohlen zusammenzuarbeiten, aufgegangen ist. Ein imaginärer „Plan B“ musste jedenfalls nicht mal ansatzweise aus der Schublade gezogen werden, was über 200.00 verkaufte Alben und ein ausverkaufte Tournee eindrucksvoll bestätigen. Trotzdem wird den Fans im Weihnachtsgeschäft eine böse Überraschung präsentiert: „Plan A!“ kommt als schwer aufgemöbelte Neuauflage mit gleich neun (!) Bonus Tracks und zwei Videoclips nochmals in die Läden. Dagegen sieht die Erstauflage richtig alt aus.

Im Detail bedeutet dies z.B., dass der Titel „Helden gesucht“ jetzt gleich dreimal vorhanden ist (Album-, Single- und Unplugged-Version), was sich weder positiv noch negativ auswirkt, weil dem Song nicht wirklich neue Facetten abgewonnen werden können. Weitere, aber keinen Deut bessere Zugaben sind „I’m okay“, „I surrender“ und die Elvis-Coverversion von „Suspicious minds“. Und weil das offenbar noch nicht reicht, werden die bekannten Albumtracks „Love is you“, „Let it be“, „Autopilot“ und „I don’t feel the same“ auch noch mal ohne Strom runtergeschrubbt. Damit schließt die Bonussektion und wir sind wieder am Anfang:

„Plan A“ ist aufgegangen! Was sicherlich vor allem dann von Vorteil ist, wenn es einen „Plan B“ niemals gab. Alles oder Nichts, gewinnen oder untergehen – letztlich hat eben diese bedingungslos existenzielle Herangehensweise an ein Casting, bei welchem alles mögliche, nur kein wirklich guter Musiker gesucht wird, Thomas Godoj zu Deutschlands neuem „Superstar“ werden lassen. Denn nachdem Bühnenpräsenz und Ausstrahlung trotz unzweifelhaft vorhandener stimmlicher Fähigkeiten anfänglich eher das musikalische Äquivalent zum Testbild waren, bot Godoj eine Geschichte an, die in das Identifikationsfigurenkonzept von „DSDS“ passte und inszenierte sich fortan als verkanntes Aschenputtel der Gegenwart. Trotz seiner ausgeprägten musikalischen Kompetenz führte bisher nämlich jeder Versuch des gebürtigen Polen, von der Musik zu leben, ins (Hartz IV-) Nichts. Und dass es eben dorthin zurückgehen würde, wenn das Volk ihn nicht durch aktive telefonische Unterstützung vor diesem Schicksal bewahren würde, formulierte er mit dem griffigen Slogan „Ohne Plan B“.

Das Volk verstand, und Thomas Godoj benötigt nun vorerst keine Alternativpläne für den Broterwerb. Auch eine Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen konnte er erfolgreich verhindern, für sein Debüt namens „Plan A!“ zeichnet neben dem „Valicon“-Produktionsteam (u.a. Silbermond) auch der Künstler selbst verantwortlich. Am Songwriting der drei deutschsprachigen Titel auf seinem Erstling war Godoj beteiligt, auch an den Texten zu „Plan A!“, „Autopilot“ und „Helden Gesucht“ schrieb Godoj mit – und teilt dem Hörer unter anderem mit, dass es ihm nach der Planerfüllung nun wirklich gut geht! „Alles richtig/ Ich bleib windsüchtig/ Nein, besser geht nicht/ Bin Vollkommen momentan“ stellt er im Titelsong fest. Allerdings ohne die Flüchtigkeit des Augenblicks zu ignorieren, denn mit der Textzeile „Alles richtig/ Fast schon verdächtig“ folgt die gesunde Skepsis gegenüber seiner nur vermeintlich komfortablen Ausgangssituation auf dem Fuße. Diese ist sicherlich nicht unberechtigt, denn insgesamt wirkt „Plan A!“ nicht wie das Ziel, sondern eher wie der Weg dorthin.

Auf der Suche nach den Klängen, die einerseits zu seinem musikalischen Selbstverständnis passen, andererseits seine medial geschaffene Zielgruppe nicht aus den Augen verliert, wirkt Godoj manchmal reichlich orientierungslos. Zwar singt er durchaus tapfer und technisch stets perfekt gegen die Seelenlosigkeit und Austauschbarkeit von Kompositionen wie „The Morning Sun“, das vom ersten bis zum letzten Ton vorhersehbare „Not The Only One“ oder das unglaublich träge „When The Tears Are Falling“ an, doch letztlich erscheint ein Großteil dessen, was auf „Plan A“ zusammengezimmert wurde, eher wie ein fauler Kompromiss an nicht vorhandene Zeit. Doch das Eisen muss eben geschmiedet werden solange es heiß ist, das Ergebnis ist zweitrangig, weil die Aufmerksamkeit noch so groß ist dass ohnehin alles verkauft wird, was die Marke „Superstar“ trägt.

Interessant wird „Plan A!“ deshalb nur in den Momenten, in denen sich unser Aschenputtel ein wenig aus dem starren Schema der kühl kalkulierten Radiotauglichkeit befreit. Mit Abstrichen gilt dies für „Summer Breeze“, dass deutlich entspannter und unangestrengter klingt, als aufgesetzte Gefühlsduseleien wie „Love Is You“ oder „It’s Beautiful“. Auch „Helden Gesucht“ verliert sich nicht im Gefälligkeitsklang der Erwartungserfüllung und dürfte am ehesten für die Musik stehen, welche dieser Künstler einmal veröffentlichen wird, wenn Marketingabteilung und Produzententeam mit der kommerziellen Ausschlachtung des nächsten „Superstars“ ausgelastet sein werden. Vermutlich hat Godoj für diese Zeit bereits einen viel versprechenden „Plan C“ entwickelt, weiß er sein aktuelles Werk in einer weiteren Textzeile des Titelliedes doch selbst gut einzuordnen: „Noch fehlt hier so was/ Wie ein Gleichgewicht/ Doch ich weiß/ Es wird schon irgendwann vorbeischauen“. Schön wär’s, denn Thomas Godoj hat allemal das Potential, die deutsche Musiklandschaft langfristiger und eigenständiger zu bereichern, als dies seinen Vorgängern bisher vergönnt war!

Anspieltipps:

  • Let It Be
  • Summer Breeze
  • Helden Gesucht

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