Adoro - Adoro - Cover
Große Ansicht

Adoro Adoro


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Fans von Streichern und den ganz großen Aufführungen, werden sich zu Hause fühlen.

Peter Dasch, Lazlo Maleczky, Assaf Kacholi, Jandy Christian Ganguly und Nico Müller teilen eine Leidenschaft: die Oper! Und allesamt junge Mannen sind sie nicht daran interessiert, Pavarotti zu kopieren, der selber teilweise nur kopiert hat, denn bekanntlich werden nicht mehr so viele moderne Opern geschrieben, die dann auch ein größeres Auditorium erreichen. So versuchen „Adoro“ bekannte Pop-Bestseller aus deutschen Landen als Orchesterversionen mit Operngesang an das Volksohr zu bekommen. Was da herauskommt ist jetzt die große Frage: Übertriebener Pathos und befremdlicher Möchtegerntenor oder wunderbare Orchesterumsetzungen mit riesigem Stimmvolumen?

Das ist jetzt etwas Persönliches, aber die letzten CDs auf welchen der Rezensent solche Musik im modernen Leben – außer auf Klassiksendern – noch wahrgenommen hat, sind Weihnachts-CDs. Von daher ist die Veröffentlichungszeit perfekt gewählt und unterstützt den Erfolg des Projekts „Adoro“ vielleicht ein wenig. Auch die Wahl der Songs ist auf den ersten Blick gut durchdacht. Tracks für die Elterngeneration wie „Flugzeuge Im Bauch“ oder „Es Wird Für Ewig Sein (Caruso)“ und natürlich „Über Sieben Brücken“, die auch die junge Generation noch ein Begriff sind, sowie moderne, sehr erfolgreiche Popsongs von Rosenstolz und Xavier Naidoo, die ihrerseits die ältere (pardon) Hörerschaft nicht abschrecken dürften. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Auch wenn die Idee der Opernumsetzungen von Popsongs nichts Neues ist, passiert es doch nicht jeden Tag.

Wer kennt nicht „Liebe Ist Alles“ von Rosenstolz? Der Song ist eine hohe Hürde, da die Stimme von AnNa R. doch sehr prägnant und einzigartig in Deutschland ist. Tatsächlich wird man sich wohl für eine der beiden Versionen entscheiden, weil der Unterschied doch gewaltig ist. War das Original noch süße Süßholzraspelei ist eine Oper natürlich automatisch fast schon eine Aufforderung. Ein Sturm der bemüht ist, ruhig zu wirken. Auch „Und Wenn Ein Lied“ von Xavier Naidoo lässt den Funken noch nicht ganz überspringen, da die Originale doch ihrer Originalität ein wenig beraubt werden durch das pompöse Operngewand. Was von vornherein allerdings positiv zu bewerten ist, sind die klaren Töne der Stimmtalente.

Fans von Streichern und den ganz großen Aufführungen, werden sich sogleich zu Hause fühlen und froh sein, ihre Lieblinge aus dem Radio als Bombast aus den Boxen tönen zu hören. An und für sich ist das alles, was mit den Liedern passiert und die Höhepunkte sind eher die Momente, in welchen die Töne lang und gestreckt sein dürfen. Da offenbart sich das Sahnehäubchen dieser Platte in Form der Stimmgewalt. Vor Pathos trieft es da manchmal natürlich („Ohne Dich“, „Dieser Weg“), aber manchmal passt es auch genau („Flugzeuge Im Bauch“, „Es Wird Für Ewig Sein (Caruso)“). Da dürfen die Stimmen sich dann austoben und das Orchester bekommt mehr den Charakter eines richtigen Orchesters und nicht eines unbeholfenen Pop-Rock-Instrument-Inventars.

Alles in allem schaffen Dasch und Freunde einen Klangbombast, der sich aber zu stark limitiert und nicht wirklich die Grenzen zwischen Klassik und Pop aufhebt, sondern eher unfreiwillig auf sie hinweist. Nichtsdestotrotz schmiegen sich die meisten Töne brav ans Ohr und sind nicht so aufdringlich, wie es manchmal erscheinen mag und gerade für die kürzeren Tage ist diese beruhigende Klassik-Pop-Mischung doch empfehlenswert. Für ihre eigentliche Mission, die Oper und den modernen Pop zu vereinen, sollten sie aber vielleicht lieber eigene Kreationen schreiben und komponieren, die sich dieser Disziplin dann genauer widmen können. So bleibt abzuwarten, ob es sich bei „Adoro“ um zu anbetende Stars handelt oder um eine Eintagserscheinung der Medien handelt.

Anspieltipps:

  • Engel
  • Es Wird Für Ewig Sein (Caruso)
  • Flugzeuge Im Bauch

Neue Kritiken im Genre „Klassik-Pop“
8.5/10

Saved By The Bell: The Collected Works Of Robin Gibb 1968-1970
  • 2015    
Diskutiere über „Adoro“
comments powered by Disqus