Franz Ferdinand - Tonight - Cover
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Franz Ferdinand Tonight


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein schönes, versöhnliches Happy End einer Nacht mit Höhen und Tiefen.

1. Begeistern! 2. Bestätigen! 3. Bleiben! Gäbe es einen Masterplan zur Entwicklungskonzeption einer noch nicht vollkommen etablierten Band (und vermutlich liegt ein solcher in der Schublade nahezu jeder Plattenfirma…), dann dürfte dieser so oder ähnlich aussehen. Franz Ferdinand haben sich mit ihrem selbst betitelten Debüt im Jahre 2004 die höchste Form der Zuneigung von Kritikern und Fans verdient – und ihre Relevanz im Jahr darauf mit dem Zweitwerk „You Could Have It So Much Better“ zwar nicht wirklich erweitern, jedoch durchaus bestätigen können. Nun also das so schwierige dritte Album! Sich hörbar entwickeln ohne sich abschreckend zu verändern – die Erwartungshaltung beschreibt nichts Geringeres als die musikalische Quadratur des Kreises.

Nicht verwunderlich, dass der Weg zum aktuellen Werk „Tonight: Franz Ferdinand“ ein langer und - wie der Name bereits vermuten lässt - dunkler war. Die Zusammenarbeit mit Brian Higgins und dessen „Xenomania-Team“ verlief unbefriedigend: "Es hat nicht funktioniert", sagte Gitarrist McCarthy in einem Interview, "wir wollten Teil der Popwelt sein und fanden heraus, dass wir es wohl doch nicht sind." Gut so, betrachtet man, an wessen Klangschrauben Higgins sonst so dreht. Die Sugababes, Danii Minouge oder aktuell die Pet Shop Boys stehen da in einer Reihe, in der man sich die Schottenrocker lieber nicht vorstellen mag.

Glaubt man ihrer selbstverfassten Presseinfo zum neuen Werk, dann ist für die manches Mal düsteren Klänge auf „Tonight:“ neben Produzent Dan Carey letztlich vor allem das düstere Entstehungsumfeld – ein brettervernageltes, heruntergekommenes ehemaliges Rathaus in Glasgow – verantwortlich. Dort falteten Franz Ferdinand mal eben das kreisrund melodische „Ulysses“ zu einer quadratischen Schachtel mit großartigem Inhalt: Ein catchy stampfender Retrobeat, La-La-Refrain und unerwartete Breaks in einem ohnehin höchst vertrackten Songaufbau ergeben die ungewöhnlichste Single ihrer Karriere, die den erfreulichen Eindruck entstehen lässt, hier seien zum ersten Mal wirklich sämtliche Einfälle zu Ende gedacht worden.

So weit, so gut. Nur erreichen die Schotten ihre eigene Vorgabe in der Folge nur noch selten. Ein wenig bemüht, ein wenig ranschmeisserisch und kaum der Songentwicklung förderlich wirken die Synthesizerbeats häufig, die aus klassischen Indie-Rocksongs - dem übergeordneten Konzept folgend – glitzernde Discomelodien schaffen sollen. Erst zum Ende, in „Live Alone“, verschmelzen die unterschiedlichen musikalischen Komponenten tatsächlich zur melodiösen Einheitlichkeit, bevor „Lucid Dreams“ verdeutlicht, was eigentlich alles möglich gewesen wäre. Es mag irritierend wirken, wie am Ende des Titels der Basssynthesizer ohne Rücksicht auf Verluste minutenlang rumort. Doch die Konsequenz, mit der Franz Ferdinand diese schmissige Komposition im technoiden Tanzflächenboden versenken, ist die reine Freude - und lässt gleichzeitig die vorausgegangenen Stücke ein reichlich mutlos aussehen.

Dass die Nacht im Club gerade jetzt, wo sie erst wirklich begonnen hat, zu Ende ist, verkündet im Anschluss das sanft pluckernde „Dream Again“, der eigentlich letzte Song des Werkes. Denn bei „Katherine Kiss Me“ sitzt Frontmann Alex Kapranos, die Akustik-Gitarre in der Hand, bereits wieder daheim auf dem Bett und singt seiner Discoeroberung ein verträumtes Liedchen. Ein schönes, versöhnliches Happy End einer Nacht mit Höhen und Tiefen. Und die Dame wird bleiben, keine Frage.

Anspieltipps:

  • Ulysses
  • What She Came For
  • Lucid Dreams
  • Katherine Kiss Me

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