Alter Me - The Fall - Cover
Große Ansicht

Alter Me The Fall


  • Label: Medley/EMI
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Quo vadis, Dänemark? Die Musikbranche versteht sich international einfach nicht durchzusetzen. Während die anderen Nordländer Schweden, Finnland und Island immer wieder mit Acts vertreten sind, die europaweit für Aufsehen sorgen, bleibt dies in Dänemark höchstens noch „Kashmir“ vorbehalten und die lassen sich mit dem Nachfolger von „No Balance Palace“ gehörig Zeit. Die superben Joycehotel, die Fürsten der Mollklänge haben sich ja aufgelöst und auf das Deutschland-Release der neuen moi-Caprice-Platte wird auch noch gewartet. So versucht sich also eine weitere Band mit ihrem Debüt mit Hilfe eines deutschen Plattenvertrags auch im Nachbarland bekannt zu werden.

Alter Me – verändere mich – heißt diese neue Entdeckung der dänischen Musikszene, die mit ihrer Single „You Can’t“ von sich Reden machten, dabei handelt es sich bei dem Lied nur um einen straighten Rocker, der gefällig wirkt, aber nichts wirklich Besonderes ausstrahlt. Hört man diesen Song im Voraus scheint der Hype um diese Band im Heimatland ein wenig übertrieben. Denn ein gutes Lied, ist halt nun mal nur gut und nicht gleich grandios. Nur zu gut, dass das Album mit „Problems“ beginnt. Hier deutet sich nämlich das Erfolgsrezept der jungen Truppe um Mastermind Hans Mortensen an: Ein Gefühl für den richtigen Riff und die passende Hookline. Da lassen sich Parallelen zu Franz Ferdinand ziehen. Bei Alter Me geht es nicht um unglaublich komplizierte Stücke, sondern um den Spaß, den die Melodien vermitteln sollen. So geht der Eröffnungstitel mit der markanten Akustikgitarre auch sofort ins Blut, wenngleich der Track am Ende ein wenig zu sehr gestreckt wird.

Dass man sich keinesfalls vom Mainstream absetzen will, zeigen die Rockballaden „Love“ und „You’re Crazy“. Ist ersteres Lied doch sehr konventionell geraten, strahlt „You’re Crazy“ einen Funken Radiohead aus, was sehr sympathisch anmutet. Keinesfalls versucht Alter Me aber wie jede andere Band zu klingen, so besticht das Zentrum des Albums mit dem kantigen, geradlinigen Rocksong „Me And Myself“ und der aggressiven Ballade „Pissed“. Das ist wirklich nicht von schlechten Eltern und die Frage, was an „You Can’t“ jetzt so besonders sein soll, drängt sich immer mehr auf. Im Gegensatz zu beschwerten Balladen wie „Why It Hurts“ mit mehrstimmigen Gesang zieht die „Übersingle“ ganz klar den Kürzeren.

Dass es aber auch wieder härter geht, beweist das schnittige und doch kantige „Lay Down My Arms“, welches sich am Ende vielleicht ein wenig zu sehr in seiner Grobkörnigkeit verliert. Die Brücke zum BritPop/Rock wird auf jeden Fall oft genug geschlagen. „Video Tonight“ ist wieder so eine typische ruhige Nummer, die aber nicht über das Prädikat „solide“ hinauskommt. Auch der Titeltrack „The Fall“ kann nicht ganz überzeugen. Eine Akustikgitarrennummer, die die prägnante Stimme, die sich an Thom Yorke und Damon Albarn zu orientieren versucht, welche dann in ein Gitarrenwirrwarr mündet, das an der Grenze zum Krach steht.

Als Wiedergutmachung kommt das eigentliche Finale der Platte mit „Ghost“. Dieser Song könnte glatt von den Red Hot Chili Peppers sein. Der Riff ist einfach (genial) und schmeichelt und umgarnt jedes Ohr, das den Fehler macht den Track zu hören. Wer von diesem Stück nicht bezaubert ist, der muss taub sein oder ist der Meinung, dass das Stück irgendwo geklaut wurde. So endet dann mit einer Akustikversion von „Love“, die durchaus zu gefallen weiß und die Qualität der schlichten Rockschnulze doch erhöht, das Debüt dieser talentierten Band. Durchaus gibt es noch Schwächen, aber Songs wie „Ghost“ oder „Problems“ sind gern gehört und sein wir ehrlich: „You Can’t“ ist nun auch nicht übel!

Anspieltipps:

  • You’re Crazy
  • Ghost
  • Pissed

Neue Kritiken im Genre „Rock“
7.5/10

Das Pfefferminz-Experiment (Woodstock Recordings Vol. 1)
  • 2019    
Diskutiere über „Alter Me“
comments powered by Disqus