Glasvegas - Glasvegas - Cover
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Glasvegas Glasvegas


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 42 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eines der tadellosesten Noise-Pop-Rock-Alben unseres noch jungen Jahrtausend.

„King Tut’s Wah Wah Hut“ – hier spielt die Musik! Glasvegas heisst die Band, die von Oasis-Vater-Abraham Alan McGee ebenfalls im oben erwähnten Glasgower Live-Schuppen entdeckt wurde und die mit ihrem melancholisch-atmosphärischen Gitarrenrock all jene vermeintlichen „hottest acts“ der Stunde wie paralysierte Milchmädchen aussehen lässt.

Es ist ein altes Lied. Bereits im Herbst letzten Jahres wurde das schlicht selbstbetitelte Debüt der vier Highlander um Sänger James Allan in Britannien, den Staaten und Skandinavien veröffentlicht. Ungefähr ein halbes Jahr später können auch wir, die es entweder geschafft haben an dem schottischen Quartett vorbeizuleben oder einfach nicht bereit waren Unsummen für überteuerte Exporte auszugeben, in den Genuss der knapp zweiundvierzig enorm beeindruckenden Glasvegischer Minuten gelangen. Eingängig Melodien treffen auf bombastischen Pop und errichten düster-hallende Gitarrenwände, innerhalb derer ein vom ersten bis zum letzten Takt homogener und ungemein dichter Rocksound Einzug hält.

Epische Kompositionen, die in der Lage sind, dem um die Band entstandenen Hype nicht nur gerecht zu werden, sondern ihn noch zu übertreffen. Glasvegas verschmelzen britpoppige Hymnen mit treibenden Drums und mitreissenden Gitarren zu großem Pathos, ohne dabei in irgendeiner Weise peinlich oder aufgesetzt zu wirken. Was den zu Recht hochgejubelten Vierer jedoch am meisten von seinen musikalischen Zeitgenossen unterscheidet, sind James Allans akzentangehauchten Narrationen. Er erzählt moderne Geschichten aus dem Leben, wie die Liebesbekundung an Sozialarbeiterin „Geraldine“, die wie ein „angel on your shoulder“ sitz oder das tragische Schicksal einer Mutter, deren 15-jähriger Sohn von Hooligans gekidnappt und ermordet wurde („Flowers & Football Tops“).

Allans Beichte „I feel so guilty about the things i said to my mother / when i was ten years old“ („It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry“) nimmt man ihm einfach ab und packt genau wie der gleichermaßen aufregende wie gelöste „Here we fucking go“-Sprechchor auf „Go Square Go“. Auch der bei Festivalauftritten mittlerweile zum Massenmitsinger avancierte Refrain eines „Daddy’s Gone“, der schwermütige Flair des Mid-Tempo-Highlights „S.A.D. Lights“ oder ein Kirchenorgel-melancholischer sowie balladesker Abgesang („Ice Cream Van“) manifestieren die außerordentliche Qualität dieses Erstlings.

Glasvegas debütieren mit ihrem höchsteigenen „Definitely Maybe“. Es wird sich zeigen, ob sie sich in Zukuft einen vergleichbaren Stellenwert wie die Gallagher-Brüder erreichen (nicht erpöbeln!) können. Auf jeden Fall ist dies eines der tadellosesten Noise-Pop-Rock-Alben unseres noch jungen Jahrtausend und nach langer Zeit endlich mal wieder ein Hype der seine Daseinsberechtigung faktisch so auch verdient hat!

Anspieltipps:

  • Flowers & Football Tops
  • Geraldine
  • It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry
  • Go Square Go
  • S.A.D. Light

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