Katharina Franck - On The Verge Of An Autobiography - Cover
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Katharina Franck On The Verge Of An Autobiography


  • Label: Premium/SOULFOOD
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer hat nicht auf Kommando wieder die Melodie des Rainbirds-Titels „Blueprint“ im Ohr, wenn man sie kurz ansummt. Sie ist da und will einfach nicht weg. Was aus Gitarrist Rodrigo Gonzales geworden ist, weiß jedes Kind, aber was ist mit Sängerin Katharina Franck passiert? Als eine Künstlerin unter vielen, hat sie viel mit anderen gearbeitet, immer ihr eigenes Ding gemacht und gehört hat man trotzdem oder genau deshalb nichts von ihr. Mehr als dreieinhalb Jahre sind seit der letzten Veröffentlichung der Erfinderin der „gesprochenen Popmusik“ vergangen und schon auf der letzten Platte „First Take, Second Skin“ ging es schon konventioneller zu. Das Label Independent trägt Frau Franck also schon länger.

Die neue Platte konzentriert sich jetzt also wieder mehr auf die eigenen und alleinigen Ideen der Songwriterin, in Kollaboration mit ihren Mitmusikern versteht sich. Es wird größtenteils der englische Pop beibehalten, nur versucht sich „Standing On The Verge Of An Autobiography“ wieder ein wenig komplexer, unzugänglicher zu geben. Sicherlich ist anfangs bei den Gitarrenpopsongs „San“ und „Reckless Reckless“ nicht davon auszugehen. Gerade Letzteres ist doch sehr linear aufgebaut und auch deswegen erwischt einen der Titeltrack, welcher sich als Achtminutenbrocken offenbart, eiskalt.

Eine knappe Minute nur klimperndes Klavier, dann eine zerbrechliche Stimme und eine nicht viel mutigere Gitarre. Minimalismus ist hier das Zauberwort. Wie auf einer Achterbahn wird jetzt das Tempo variiert, die Lautstärke, die Stimmung, Melodien kommen und gehen, und am Ende gibt es das große Finale. Die einen werden dieses Lied vergöttern, wieder andere werden gerne mal vorspulen. Musikalisch und komponistisch betrachtet hat man es hier aber mit einem kleinen Meisterwerk zu tun oder wenigstens einer Songwriterperle.

In der Folge erinnern die Strukturen der Tracks immer wieder an die glatten Popwurzeln der Deutschen, doch Katharina lässt sich immer wieder psychedelische Einschübe einfallen, die das Gesamtbild mitprägen. Nicht minder bewundernswert ist die ausdrucksstarke Stimme, die der Öffentlichkeit mehr oder weniger verborgen bleibt, da die gute Frau ja alles andere als ein Act großer Bekanntheit ist. Warum, fragt man sich in solchen Momenten wieder. Verschenktes Talent, wieso? Wer will, kann sie doch hören.

Es geht von kraftvollen Songs über wieder jene, die die starke Franck ganz schwach und zerbrechlich zeichnen und natürlich gibt es noch mehr Mitsummstücke, die eigentlich sehr stringent, aber dank Franck unglaublich ausdrucksstark sind. Es gibt sogar noch ein Mammutstück in Form von „We Never Blink“, das aber einfach nur lang ist und der Faszination des Titelsongs nicht gleichkommt. Das ist übrigens der große Vorwurf an das Album. Ist „Standing On The Verge Of An Autobiography“ ein toll durchkomponiertes Stück, machen andere Songs den Eindruck nicht wirklich zu wissen, wo sie hinführen. Das passiert schon bei „Reckless Reckless“, das schon nicht wirklich weiß, wie es enden soll. Es wird zwar nicht verlangt, dass alle Tracks so aufwendig und anstrengend wie der Titeltrack sind, doch ein wenig mehr Fluss und ein Ziel, das man vor Augen haben kann oder dass schlicht eines erscheint, würde dem Album und der Musik von Katharina Franck sehr helfen. So ist es „nur“ ein ambitioniertes Album, welches aber immer noch mehr als nur gute Werbung für die Musik der begabten Sängerin ist.

Anspieltipps:

  • Standing On The Verge Of An Autobiography
  • San
  • Wind Was Playing With My Hair

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