Smokie - Collections - Cover
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Smokie Collections


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 64 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Living Next Door To Alice“ – mit diesem Song bringen auch musikgeschichtlich unbedarfte Menschen ohne Schwierigkeiten den Interpreten Smokie in Verbindung. Schwieriger wird’s dann bereits beim zweiten großen Erfolg „Lay Back In The Arms Of Someone“ (1977 immerhin fünf Wochen auf der Höchstposition der deutschen Charts). „Baby It’s You“, tatsächlich auch ein Top-Ten-Hit Ende der 70er-Jahre, können wohl nur noch wirkliche Kenner der britischen Gruppe zuordnen. „Smokie, Who The F**k Is Smokie?“ würde es heute wohl aus den Kehlen feierwütiger Radiokonsumenten dröhnen, gäbe es da nicht diesen einen Song, den jede noch so abwegige Coverband im Programm und wirklich jeder Dorfdisco-DJ in seiner Sammlung hat. Und dessen Mitgröhlrefrain vermutlich auch jeder Leser dieser Zeilen (natürlich nur unter Alkoholeinfluss…) schon einmal enthusiastisch herausgebrüllt hat.

Doch wahrscheinlich würden Smokie heute als musikhistorisch bedeutsamer wahrgenommen, als dies angesichts der Festlegung auf diesen einen Gassenhauer der Fall ist, hätte es diesen Song nie gegeben. Aus der mit „Partymusik“ beschrifteten Schublade kommen die Jungs nicht mehr heraus. Und da versprengte Teile der Gruppe sich auch in der Gegenwart nicht zu schade sind, diesen Song auf Oldiefestivals irgendwo im Nirgendwo als Opener, als Höhepunkt ihres Sets und als mindestens zweifache Zugabe immer wieder zu spielen, haben es Smokie wohl auch nicht besser verdient.

Schade eigentlich, denn neben den oben erwähnten bereits Titeln haben die Briten mit Liedern wie „If You Think You Know How To Love Me“, „Oh Carol“ oder „For A Few Dollars More“ einmal völlig zu Recht in einer höheren Liga gespielt und ein anderes Publikum erreicht als Ballermannbesucher und Schützenfestkomatrinker. Hätte es diesen einen Song nicht gegeben, müsste eine Schallplatte der Band vielleicht kein verschämtes Dasein im verborgenen Fach des Plattenschranks fristen, sondern hätte sich ein präsentables Plätzchen zwischen Joe Cocker (zu Woodstock-Zeiten) und dem jungen Rod Stewart redlich verdient. Vorausgesetzt, man würde Chris Norman seine verzweifelte Kollaboration mit Dieter Bohlen verzeihen, mit der er im Anschluss an seine Zeit als Leadsänger von Smokie seine großartige Stimme endgültig an den Kommerzteufel verkaufte.

Aber es gibt diesen einen Song nun einmal, und deshalb versucht sich der Text dieser Rezension heute meist am Konjunktiv. Wer noch in der Lage ist, das Schaffen der Briten nicht im dunklen Schatten der omnipräsenten Alice zu betrachten, der wird seine Freude haben an eingängigen, gefälligen Kompositionen wie „Stumblin’ In“ und „Something’s Been Making Me Blue“. Und wem dies nicht gelingt, dem sei zur Strafe noch einmal folgende Frage entgegen geworfen: „Alice, Who the F**k is Alice?“

Anspieltipps:

  • If You Think You Know How To Love Me
  • Lay Back I The Arms Of Someone
  • Oh Carol
  • Stumblin’ In

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