The Airborne Toxic Event - The Airborne Toxic Event - Cover
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The Airborne Toxic Event The Airborne Toxic Event


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 37 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Zum x-ten Male eine Band die hierzulande leider niemand kennt. Aber für die man ohne zu zögern alle Radiostationen dieses Landes aufgrund ihrer Nichtbeachtung verklagen möchte. Andererseits hat es aber auch was Gutes. Denn die forsche, punkige Rockmusik der Band um Frontmann Mikel Jollett würde zwischen Nickelback, Eminem und Lady Gaga wahrscheinlich auch ziemlich schnell an Reiz verlieren.

So bleibt das Debüt von The Airborne Toxic Event (T.A.T.E.) zunächst nur ein Geheimtipp für all diejenigen, deren musikalische Qualitätsbandbreite etwas weiter gefasst ist, als so manche Niveaubemessung medialer Hypestandards, diverser massenmedial geprägten Musikgeschmackseinimpfungsversuche. Bereist des Platteneinstieg „Wishing Well“ wird von den wummernden Drums zu einem vogelfreien Indierock-Höhepunkt getrieben und lässt müde Knochen klackern, die in letzter Zeit nur von Bands wie Modest Mouse, Glasvegas oder The Gaslight Anthem zum shaken gebracht wurden. Ähnlich zappelnd und rappelnd verbreitet der Sound von T.A.T.E. seinen eigenen, rumorenden Reiz aus abgrundtiefer Melancholie und Hyperaktiver Hochstimmung. Eigentlich ein Album, dass einem die Winterdepression aus den Ohren spült. Aber wie so oft erscheint die Platte bei uns erst Monate später als auf dem internationalen Musikparkett. Dem ungeachtet funktionieren die ohrwurmigen Rocklieder der Mannen aus L.A. auch in der Sommerzeit. Wie z.B. die Paradebeispiele eines Indiedancefloor-Krachers „Gasoline“ oder „Happiness Is Overrated“, bei denen auch die engsten Lederhosen und stylischsten Thekenaccessoires im Club des Vertrauens die Tanzfläche zu bevölkern beginnen.

Derartig schmissige Gitarrenpassagen wurden seit den frühen Arctic Monkeys und der allerersten „Franz Ferdinand“ nur noch sehr selten aus den Boxen geblasen. „Papillon“ spielt gekonnt mit eingängigen Synthieklängen, die in dieser Dosierung selbst „The Killers“ aus ihrem mittlerweile perfektionierten Langweilepop reißen würden. Uptempo lautet die Zauberformel. Rhythmisch, dezent elektronisch beseelt und mit einer gehörige Portion Rock N’ Roll werden diese knapp vierzig Minuten zu einem fast durchgängigen Hörvergnügen. „Does This Mean You’re Moving On?“ lässt sich nur mit einem eindeutigen Ja beantworten. Und auch wenn mit „Sometimes Around Midnight“ und „Something New“ die musikalische Intensität ein wenig abnehmen zu scheint (Stichwort Filler), so kann am Ende des Albums wieder beruhigt der Pete Doherty Gedächtnis-Hut gezogen werden. Das knackige „Missy“ und der beinahe siebenminütige sich hochschaukelnde Abschluss „Innocence“ lassen guten Gewissens die Play-Taste aufs Neue betätigen.

The Airborne Toxic Event erleuchten den etwas erblassten Rockstreifen am Horizont um einige farbenfroh-akustische Nuancen. Für ein Erstlingswerk ungemein souverän und den Nerv des bodenständigen Gitarrenmusikliebhabers zielsicher anvisierend, ist ihr selbstbetiteltes Debüt eine wahre Wohltat im vermehrt gleich erklingenden Indierock-Dschungel unseres noch jungen Jahrtausends.

Anspieltipps:

  • Wishing Well
  • Papillon
  • Gasoline
  • Missy
  • Innocence

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