Tulp - Metronom - Cover
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Tulp Metronom


  • Label: Capitol East Road Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Semi-Profis dürfen sich jetzt als vollwertige Mitglieder der großen Musikwelt sehen.

Abseits von großen Mainstreamprojekten der Marke DSDS spielen sich noch manche Bands per Eigenvertrieb in den Vordergrund und wenn man sich „Immer Sex“ (2004) von Tulp betrachtet, hat diese Band sich nach zwei selbst herausgebrachten Platten die finanzielle Unterstützung verdient. Besonders wo Gitarrist und Sänger Lehmkuhl mit Rene Kaiser am Bass und Schlagzeuger Sascha Pöpping durchaus Ambitionen an den Tag legten. Sich anfangs noch stark am Pop orientiert, klingt die Gitarre auf dem Label-Debüt schon rockiger und drückt dem Gesamtbild seinen Stempel auf. Das liegt aber auch daran, dass mit „Metronom“ zwei weitere Mitglieder zur Tulp-Truppe gestoßen sind. Rocco Ostermann ist nämlich für die härteren Griffe in die Saiten da und am Kontrabass zupft Benjamin Garcia-Alonso besonders im ruhigen Finale „Traumzeit“ gekonnt und entspannt.

Die Semi-Profis dürfen sich jetzt also als vollwertige Mitglieder der großen Musikwelt sehen und so verwundert es nicht, dass man sich auf dem Album ein wenig öffnet und weniger abstrakt daherkommt. Natürlich erinnert die Art der vorgetragenen Texte immer noch mehr an Bands wie Turbostaat oder Kettcar und es lässt sich höchstens erahnen, was uns der gute Lehmkuhl genau sagen will. Besonders den Vergleich mit Kettcar muss die Band sich gefallen lassen, denn die verträumten Gitarren im Verbund mit kryptischen Texten waren bisher die Hausnummer der Norddeutschen Gruppierung. Jetzt haben sie Untermieter, ob sie wollen oder nicht, denn so einfach wegreden, kann man Tulp nicht mehr, jetzt wo sie schon da sind.

Gleich die Eröffnung „Gedankenkäfig“ ist ein Indie-Pop-Rocker der guten Sorte, der mit der ruhigen Atmosphäre und dem guten Riff punktet. Dass Sänger Lehmkuhl eine durchaus angenehme Stimme, aber keine perfekte hat, ist das Sahnehäubchen. Das macht Lust auf mehr. Ein wenig übereifrig wirkt das anschließende Instrumentalstück „Zwei Trios“ im Anschluss. Auch wenn das Lied keinesfalls einen schlechten Eindruck hinterlässt, fällt es ein wenig aus dem Rahmen und lässt den Hörer so früh im Album ein wenig im Regen stehen. Da fühlt man sich doch gleich sicherer, wenn das bequeme „Sternenlicht“ ertönt. Hier wird die Melodie noch mal besser verarbeitet, als es schon beim Opener der Fall war. Allerdings zeigen sich hier Schwächen im Gesang, die der Harmonie ein wenig schaden. Das Potential ist aber jetzt schon bewiesen.

Den Höhepunkt findet das Album in den folgenden Stücken „Metronom“ und „Reise“. Ersteres ist von vorn bis hinten gut durchstrukturiert und diesmal weiß Lehmkuhl seinen Gesang gut einzusetzen. Zwar öffnet sich dieser Song recht konventionellen Schemata, doch inzwischen hat sich die musikalische Handschrift Tulps durchgesetzt und die Musik strahlt eine gewisse Eigenständigkeit aus. „Reise“ ist herrlich verträumt und weist auf die Gitarrenpopwurzeln hin, denen Tulp schließlich entsprungen ist. Ohne große Höhen, aber mit ganz viel Emotion liegt die Melodie im Raum. „Egos Und Geflimmer“ erinnert dann wieder ganz stark an den „Gedankenkäfig“. Hier wird für das Radio gespielt und man sieht schon jetzt die Massen ruhig hin und her wogen, bevor „Kein Wort“ im Stile eines staubtrockenen Indie-Rockers, der nichts Besonderes ist, aber den Hörer noch mal wachrüttelt. Gut platziert.

Abschließend kommt das (zu) entspannte Finale „Traumzeit“. Das Lied ähnelt recht stark „Reise“, zumindest vom Aufbau her und so gut das auch ist, wirkt es nicht wirklich als Ende einer Platte. Weder als Rausschmeißer im ruhigen noch im harten Sinne will der Song so recht zünden. So fühlt man sich wieder ein wenig im Dunkeln und irgendwie verloren, woran das kurze, aber unglaublich nichts sagende „Outro“ auch nichts ändert. Nichtsdestotrotz offenbart sich „Metronom“ als Stück, dass Aufmerksamkeit verdient und weiteren Aufschwung für die deutsche Musikkonjunktur verspricht, was in Zeiten wie diesen sehr wünschenswert ist.

Anspieltipps:

  • Metronom
  • Reise
  • Kein Wort

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