Vampire Weekend - Vampire Weekend - Cover
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Vampire Weekend Vampire Weekend


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 34 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wow! Indie-Pop kann sich sehr wohl neu erfinden. Zu verdanken hat das Genre dieses Urteil einer frisch, frivolen Brooklyner Studentenkombo (der Sänger – schon wieder: Literatur!), die sich an der nicht gerade preisgünstigen Columbia University kennen lernen und einen gemeinsamen Nenner feststellen: die Liebe zu Paul Simons 1986 erschienen Südafrika-Album „Graceland“.

Und wer dies kennt, weiß was nun kommt. Indie-Rock, der gelassenen strokes’schen Schule meets Afro-Pop. Kongolesische Soukous-Musik und Rock-Riffs! Warum ist eigentlich niemand vorher darauf gekommen? Und wie das funktioniert! Vampire Weekend mit ihrem bloggehypten Debüt: ein wunderbares Pop-Märchen.

Mischen, was sich eigentlich nicht mischen darf, ist zunächst einmal überdurchschnittlicher Ideen- respektive Erfindungsreichtum. Daraus aber hochwertige, übliche Halbwertszeiten überstehende, Musik zu kreieren, ist schon ein kleines Kunstwerk. Aufrichtig liebenswert erscheint das brooklyner Quartett wie es so über New Yorker Buslinien singt („M79“), klimpert und poltert, gern auch mal kurz Karibikflair aufkommen lässt („Oxford Comma“), selbstironisch jegliche Kritik an postkolonialen Weltmusikanleihen westlicher Großstadtkids zuvorkommt. mit herrlichen Zeilen wie „but does it feel so unnatural / Peter Gabriel too?". Yes, indeed. Dieses „Cape Cod Kwassa Kwassa“ ragt nicht nur heraus, wegen des längst fälligen Peter Gabriel-Diss, sondern wegen der offenkundigen Nähe, zur angesprochenen Simons Vorlage.

Ach ja, die heraushörbaren kosmopolitischen Talking Heads, die bekanntlich 1980, lange vor Simons, auf „Remain In Light“ dem Afro-Pop-Virus erlagen, sind natürlich ebenso mit eingebacken worden. Bevor hier aber der Kritikerkrankheit der Überinterpretation weiter gefrönt wird, erfreue man sich schlicht an diesem kleinen, frechen, angerührten Brei von Unvereinbarkeiten. Rondo-Veneziano-Streicher, Soukous-Getrommel, Old-School-Ska, Garagen-Geschrammel und wer weiß was noch, in hervorragend auskomponierten Popsongs – sehr schön!

Dass ab diesem tollen Debüt, die musikalischen Sinnfragen nur noch schwerer wiegen, drei Alben gleichen Stils schlechterdings wie der Erstling gefeiert werden, darf Sänger/Gitarrist Ezra Koenig und seine kauzigen brooklyner Kommilitonen getrost im Moment nicht stören. Vampire Weekend überraschen (mit web2.0-Ansage) und überzeugen auf der ganzen Linie.

Anspieltipps:

  • Mansard Roof
  • Cape Cod Kwassa Kwassa
  • Campus
  • Walcott
  • M79
  • Oxford Comma

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