Heinz Rudolf Kunze - Protest - Cover
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Heinz Rudolf Kunze Protest


  • Label: Ariola/SonyBMG
  • Laufzeit: 58 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Dass es H.R.K. auch ohne seine alten Wegbegleiter versteht, hervorragende Alben aufzunehmen, beweist spätestens seine aktuelle Veröffentlichung „Protest“.

Rund um sein 25-jähriges Jubiläum als plattenveröffentlichender Künstler ging es bei Heinz Rudolf Erich Arthur Kunze (52) richtig rund. Er trennte sich von seinem langjährigen Co-Komponisten und Gitarristen Heiner Lürig (bzw. umgekehrt) und wechselte nach fast 20. Studioalben von Warner Music zu Ariola/SonyBMG. Das war so ungewöhnlich, als wäre Oliver Kahn zu seiner aktiven Zeit von Bayern München zu Werder Bremen gewechselt, um dort im Sturm zu spielen – und konnte eigentlich nur in die Hose gehen.

Dass es H.R.K. auch ohne seine alten Wegbegleiter versteht, hervorragende Alben aufzunehmen, beweist spätestens seine aktuelle Veröffentlichung „Protest“. Wie immer beherrscht Kunzes ganz besondere Form der Textpoesie das Geschehen. Hier haben Worte noch eine Bedeutung und sind Songtexte keine leeren Trägerhülsen für stupides Hitparadenfutter. Aus diesem Grund kann es sich Heinz Rudolf Kunze auch immer wieder erlauben, Melodien zu schreiben (bzw. schreiben zu lassen), die sich nicht dafür schämen müssen, leicht am Schlageresken vorbeizuschrammen (man erinnere sich nur an „Dein ist mein ganzes Herz“). Was der „normale“ Radiohörer dabei gar nicht ahnt: Eigentlich steckt in dem Wahl-Hannoveraner ein waschechter Rocker. Doch das wissen nur die Käufer seiner Alben und die Besucher seiner Konzerte.

Auch auf „Protest“ liefert Heinz Rudolf Kunze wieder ein paar Kostproben ab, wie deutsche Rockmusik auch klingen kann. Mit deftigen Songs wie „Astronaut in Bagdad“, „Dagegen“, „Selbst ist die Zerstörung“ und „Warum?“ blasen H.R.K. und Co. dem Hörer sprichwörtlich den Kitt von der Brille. Deutlich melodieseliger und durchaus hitverdächtig sind dagegen Stücke wie „Längere Tage“, „Sie geht vorbei“, „Auf einem anderen Stern“, „Aber Menschen?“ und „Möglich“ (das an Bob Dylans „Death is not the end” erinnert), die den 52-Jährigen in absoluter Bestform als Texter, Sänger und Komponist zeigen. Denn hier stimmt einfach alles: Gefällige Instrumentierung, starke Produktion (von Leo Schmidthals) und eindeutige Texte, die unmissverständlich Stellung beziehen. So unterscheiden sich relevante Alben von Dutzendware und es zeigt sich, dass auch etablierte Künstler noch etwas reißen können, wenn sie es ernsthaft und nicht halbherzig wollen.

Anspieltipps:

  • Möglich
  • Frei zu sein
  • Längere Tage
  • Aber Menschen?
  • Astronaut in Bagdad
  • Auf einem anderen Stern

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