Silvio D´Anza - Heute, Morgen, Für Immer - Cover
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Silvio D´Anza Heute, Morgen, Für Immer


  • Label: 105 Music/SonyBMG
  • Laufzeit: 52 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Musik kann schnell sein. Musik kann kantig sein. Musik kann anschmiegsam sein. Musik kann behäbig sein. Sie kann progressiv sein. Sie kann ganz simpel gestrickt sein. Das wirkliche wichtige ist aber, dass Musik es schafft, ein Gefühl zu übermitteln, welches den Hörer unweigerlich trifft. Freude, Trauer, Spaß oder Aggression: Was will der Song uns sagen, was will der Interpret uns sagen?

Schaut man auf das Cover von Silvio d’Anzas Album „Heute, Morgen, Für Immer“ ist es nicht bloß der pathetische Titel, der verrät, was hier mit der Musik passiert ist. Auf dem Album ist nichts zu sehen, bis auf den „Künstler“ selber, der sein nettestes Lächeln zeigt, ohne die Zähne zu zeigen. Das ist wohl auch besser so, denn auch das Album kommt erwartet zahnlos daher.

Dem sportlichen und wohl auch sehr höflichen Mann ist es geglückt, eine Musikerkarriere zu starten. Anstatt die Klassiker zu covern, will er nun Eigenes machen und wer immer ihn auf die Idee gebracht hat, Italo-Schlager-Pop zu spielen… Sehr einfallsreich! Silvio d’Anza geht vom ersten Track voll in die Klischeespalte und scheint nur die Altersgruppe anzusprechen, die auf diese Art von Musik steht. Mit der Zeit wird zumindest nicht gegangen. Zu Heinos Zeiten klangen Lieder wie der Titelsong schon nicht anders. Drei- bis vierminütige Liebeserklärungen im Viervierteltakt und dazugehörigen Synthesizer-Keyboard-Verschnitten und eine extra Portion Pathos gibt es gratis dazu. Der Nächste bitte!

Man suche sich einen beliebigen Track aus, er folgt demselben Schema wie sein Vorgänger. Es wird zwar auch mal spanisch gesungen („Baila Baila“, „Chitarra Romana“). Bis man bei diesen Lieder angekommen ist, gleicht die Spannungskurve des Albums allerdings einem Herzsinusrhythmus eines soeben Verstorbenen. Ja, es ist langweilig und man fragt sich, warum Leute so etwas heute noch tun und dann kommt wieder der Geistesblitz des Mythos, der auch Bands wie unseren Superexport Tokio Hotel umschweift: Es scheint da eine Rezeptur zu geben und im Gegensatz zu Weihnachtsplätzchen, die immer wieder mal anbrennen möchten oder zu trocken sind, scheint es da eine saftige, vollmundige Rezeptur zu geben, die den Leuten das Geld nur so aus der Tasche zieht.

Nach 52 Minuten ist das Trauerspiel, das ein Sonnenmärchen werden sollte, endlich vorbei. Die Sommersonne Dalmatiens ist inzwischen in weite Ferne gerückt und vielmehr fühlt man sich im heimischen Supermarkt und die viel zitierte Fahrstuhlmusik klimpert aus den Mini-Boxen, die einen überall hin verfolgen. Sogar bis in die hinterste Ecke bei den Konservenbüchsen! Wer sich beschwert, es sei hier überhaupt nicht auf die einzelnen Tracks eingegangen, der hat es selbst noch nicht gehört. Es gibt nur die Typen „Deutscher-Schlager-Mit-Italo-Einschlag“ und „Pseudo-So-Würden-Italiener-Musik-Machen“.

Kein Witz, die Angabe ist aber wie immer ohne Gewähr. Leider wird die CD wohl noch in zu vielen Regalen landen. Und dann ganz am Ende, obwohl die Produzenten es wieder völlig falsch gemacht haben, mit all ihrem Elektrogedudel, holt der Sänger seine ganze Klangvielfalt heraus und zeigt (unfreiwilligerweise) das seine Opernstimme doch so viel schöner ist. Diese Stücke bezaubern einen noch. Soll er doch moderne Opern schreiben. Leichter gesagt, als getan, aber so wie auf diesem Album geht es nicht. Das ist eines Profimusikers einfach nicht würdig. Es bleibt festzuhalten, dass aus dem begeisterten Sportler Silvio d’Anza eine Art Hausmann geworden ist, der es mit der tatkräftigen Unterstützung der Produzenten geschafft hat, seine Tracks absolut faltenfrei glattzubügeln.

Anspieltipps:

  • Baila Baila
  • En Aranjuez Con Tu Amor

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