John Frusciante - The Empyrean - Cover
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John Frusciante The Empyrean


  • Label: Record Collection
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Das bisher arbeitsintensivste Solowerk von John Frusciante.

Eine Lanze für diesen Dude zu brechen ist ja wirklich nicht mehr notwendig. Platz 18 in der kakophonischen Rolling-Stone-Auflistung der Einhundert größten Gitarristen aller Zeiten und die übervollen Arenen der letzten Chili-Peppers-Tourneen sind stichhaltige Beweise für jeden Indizienprozess. Gepaart mit seiner Reputation, dass er selbst unheimlich cooler und besser ist als sein überbordendes, krautrockendes Solowerk und der Tatsache, dass er und Flea jedes The-Mars-Volta-Album mit entstehen lassen hilft und also längst kaum bemerkter Teil, zwar nicht der Mars-Volta-Tour-, wohl aber der Mars-Volta-Studioband ist, bleibt schnell die Frage übrig: Was gibt es Neues zu notieren bei Frusciantes Soloalbum Nummer 10?

Die Zeiten seiner relativ unbemerkten Sechs-Veröffentlichungen-in-einem-Jahr-Phase mit höchstens zwei Takes pro Songaufnahme sind überlebt. „The Empyrean“ ist sein bisher durchdachtestes, konzeptualistischstes Solowerk, ein Indiz, vielleicht, wie musikalisch unbefriedigend die Hauptbandarbeit geworden ist. Sakraler, religiös-spiritueller Krautrock im Midtempo-Gewand, ganz knapp zusammengefasst. Dazu: Intensiveres Eintauchen in die Gefühlswelt des John Frusciante denn je. Ausgearbeitet und arrangiert sind die Charakteristika dieses Krautrocks, ein Wechsel zu seiner vorherigen Jam-Philosophie. Das tut der Frusciante-Soundwelt auch gut, „Before The Beginning“ eröffnet klug und aufbauend mit Hall-Wah-Pedal und achtminütiger Sechsaitenbeackerung. Spärliche Soundflächen umwabern dann, das ihm ganz eindringlich gelungene Tim Buckley-Cover „Song For The Siren“. „God“ sticht emphatisch - und daher auch das sakrale midtempo verlassend - am meisten heraus, ist der mutigste und damit beste Song auf „The Empyrean“, „One More Of Me“ probiert sich in einer tieferen Gesangsoktave als üblich und „Dark/Light“ wartet mit orchestralen Überraschungen auf.

Das bisher arbeitsintensivste Solowerk von John Frusciante enthält zudem eine Direktive vom Gitarrengott wider Willen persönlich: „'The Empyrean' should be played as loud as possible and it is suited to dark living rooms late at night.” Befolgt man diese Anweisung bekommt man ein intensives, eindringliches, experimentelles Stück Musik geliefert. Und doch hüte man sich davor diesen Trip als ausnehmend ingeniös anzusehen. Was dem Hörgenuss widerfährt, wenn man Kyuss’ „And The Circus Leaves Town“, The Mars Voltas „Amputechture“ oder Nirvanas „Bleach“ in gleicher Weise konsumiert, spielt sich auf ungleich anderer Ebene ab.

Anspieltipps:

  • Before The Beginning
  • God
  • Song To Siren

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