Apoptygma Berzerk - Rocket Science - Cover
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Apoptygma Berzerk Rocket Science


  • Label: Gun/SonyBMG
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Wir wollen da weitermachen, wo wir mit der letzten Scheibe „You And Me Against The World“ aufgehört haben.“, verkündet Stephan L. Groth wie eine düstere Botschaft für Fans der ersten Stunde. Seit 1989 gibt es nun schon die norwegische Formation mit dem ausgefallenen Namen, der oft auf Apop abgekürzt wird. Aus dem Future Pop ist inzwischen ein Synthie-Pop geworden (was früher Zukunft war, hört sich heute nicht mehr ganz so progressiv an) und von Vertracktheit kann auch keine Rede mehr sein, seit „You And Me Against The World“. Die Band macht Melodien fürs Ohr und für die Füße. Nicht zurück zum alten Stil, sondern mehr beim mit synthetischen Klängen unterlegten Pop-Rock für die Massen wird es bleiben und so bleibt einem eigentlich nichts mehr übrig, als den Fakt anzuerkennen und sich der Musik der neuen Ära zu widmen. Bevor hier aber ein Wort der Kritik fällt: Alles Gute zum 20. Geburtstag, Apoptygma Berzerk.

„Rocket Science“ heißt das neue und gleichzeitig sechste Album der vier Mannen aus Fredrikstad und da wir alle Vorkenntnisse und Meinungen vergessen wollen, steigen wir einfach mal ein. Man befindet sich sofort in der Vergangenheit, wenn die ersten Töne von „Weight Of The World“ erklingen. Das sind die Achtziger. Eindeutig. Glasklar. Da gibt es nichts dran zu rütteln. Die eine oder andere Passage ist sogar mit Sicherheit nicht eigenständig auf dem Mist der Band gewachsen, sondern klingt doch sehr nach Originalen aus vergangenen Jahrzehnten. Unter anderem singt Groth „1984 is now!“ und bei diesem Sound will man ihm zu gerne glauben, auch schon ohne den Hintergrund auf Orwells berühmten Roman zu bedenken. Dem eingeschlagenen Weg treu bleibend, klingt auch die erste Singleauskopplung „Apollo (Live On Your TV)“ nach der Epoche der Hawaiihemden und der neuen deutschen Welle. Der Song wirkt beinah zu abgeklärt und findet keinen wirklichen Höhepunkt. Langweilen tut er dadurch zwar nicht, überragend ist das aber auch noch nicht, was die Skandinavier bisher bieten.

Das Muster eines guten Songs, der aber diese Grenzen des guten nicht zu durchbrechen vermag, zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Auf der Suche nach dem richtigen Sound, wurde zeitweise wohl zu sehr gefeilt. Oft fehlt nur eine einfache Bridge, wie sie in „Asleep Or Awake?“ dann doch noch erklingt und dem Lied zumindest gen Ende neue Würze verleiht. Auch „Incompatible“ erfährt neue Sphären und Richtungen. Die Pop-Wurzeln sind wieder ganz eindeutig zu hören und das macht dann auch richtig Laune, wenn einen dieser Trance-Ehemals-Future-Sound nicht abschreckt. Danach wird leider wieder in Single-Muster verfallen und so zelebriert „Shadow“ eher den Einklang mit sich selbst, was nicht unbedingt berauscht.

Die „Green Queen“ rockt dann erstmals so richtig und lässt den Synthesizer großteils hinter sich. Ist dies, der Stil, den Groth meinte? Da fehlt dann aber doch noch das gewisse Etwas. Das krasse Gegenteil ist das anschließende „Butterfly Defect“. Eine Popnummer, der eben auch wieder die Kante fehlt, an der man sich stößt und überhaupt erst auf den Song aufmerksam wird. Es sind diese irgendwie nicht ganz fertigen Lieder, die den ordentlichen Eindruck entstehen lassen, der ansonsten ein richtig guter sein könnte. Auch „The State Of Your Heart (Shit End Of The Deal)”ist zwar beschwingter, aber auch noch ein wenig blass. Der Endspurt des Albums fasst dann auch noch mal die aufgegriffenen Stilrichtungen des Albums auf, ohne das eines der Lieder wirklichen hervorstechen will, abgesehen von „Pitchblack/Heat Death“. Endlich ein Rocker, der auch durch Facettenreichtum besticht. Man fragt sich wirklich, warum das nicht öfter so ging, denn aufgrund des eher mäßigen Zwischenteil ist zwar ein angenehmes, aber kein erinnernswertes Album herausgekommen. Bei Fans wird es ankommen, neue wird es aber nicht wirklich auf den Plan rufen.

Anspieltipps:

  • Pitchblack/Heat Death
  • Weight Of The World
  • Asleep Or Awake?

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