Sia. - Some People Have Real Problems - Cover
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Sia. Some People Have Real Problems


  • Label: Concord/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein starkes Album, das die eine oder andere Ehrenrunde im CD-Spieler sicher haben dürfte.

Es sind wieder einige Jahre in die Lande gezogen, seit Sia Furler ihr letztes Album „Colour The Small One“ auf den Markt brachte. Inzwischen hat sich Einiges, wenn auch nicht allzu vieles getan, zumindest aus deutscher Sicht. In England ist der Name Sia nämlich inzwischen ein echter Begriff und es gibt eine Menge Leute, die sich auf das neue Album „Some People Have Real Problems“ freuen, wohingegen in Deutschland weiterhin Ratlosigkeit herrscht, wenn dieser Name fällt. Dabei sollte man diese Mischung aus kraftvoll und gehaucht durchaus einmal vernommen haben. Auch musikalisch hat sich ein wenig geändert, setzt Sia diesmal viel häufiger auf große Unterstützung von Instrumenten, wenn nicht gar Orchesterklängen, wo doch das letzte Album so vertraulich und intim, ganz minimalistisch herkam.

Das hinterlässt natürlich neue Geschmacksrichtungen fürs Ohr und man muss für sich selbst entscheiden, ob man dies dem alten Stil bevorzugt. „Little Black Sandals“ ist noch eine Sia-Hymne, wie man sie gewohnt ist, auch wenn die Gitarre ungewöhnlich warm den Hintergrund versüßt. Auch die treibenden, langsamen Beats sind wieder mit von der Partie und doch will für viele dieses positive Bild, das Sia zeichnet, nicht zu ihr passen? Aber wieso denn nicht? „Lentil“ erhöht dann die Pathos-Schlagzahlen. Streicher dürfen Sias Stimme beinahe komplett zurückdrängen und ein groß-artiges, aber kein großartiges Finale erwartet den Hörer, wenn kein Wort mehr zu verstehen ist und der Klang fast schon an Krach erinnert. Bezeichnend, dass die letzten Sekunden die schönsten sind, wenn Sia beinahe ohne jegliche Störung singt, zerbrechlich, wie sie es so gut kann.

„Day Too Soon“ ist eine etwas poppigere Version von „Numb“ aus dem Vorgängeralbum und wieder fehlt die Intimität. Es liegt ein wenig der Fluch eines X&Y über Sias Produktion, scheinen sich die Songs teilweise in das Crescendo zu zwingen. Und hier ist es im Gegensatz zu X&Y auch nicht wirklich gelungen. „You Have Been Loved“ kommt da gerade rechtzeitig, um etwas Ruhe auszustrahlen, auch wenn das jetzt kein Appell sein soll, dass Sia gefälligst nur ruhige Nummern zu schreiben hat. „The Girl You Lost To Cocaine“ ist ein schwungvoller, beinahe swingiger Track, der Bewegung in die Sache bringt und dem Album gut tut, da jetzt das Tempo mal variiert wurde. Plötzlich blitzt das Talent der 33-jährigen auf, denn das folgende „Academia“ überzeugt ebenfalls mit großartiger Melodie und stimmungsvoller Atmosphäre.

Dann wird wieder ein wenig dem alten Muster verfallen (mit Streichern!), wenn „I Go To Sleep“ schleppend aus den Boxen kriecht, gequält und weich zugleich. Nicht schlecht, aber wieder fragt man sich, ob man diese ganzen Streicher wirklich da haben will. Ziemlich poppig wird es bei „Playground“, was überrascht. Die einen positiv, die anderen negativ. „Death By Chocolate“ mimt wieder brav eine zerbrechliche Ballade, bis es zum Forte kommt, welches diesmal allerdings nicht zu laut ist und alles mehr oder weniger passt. Ein starker Song, der aber irgendwie nicht vollends haften bleiben will. Das schaffen dafür „Soon We’ll Be Found“, das eine perfekte Ballade darstellt und das kraftvolle „Electric Bird“, mit Bläsern, die einfach besser zu Sia passen, und kerniger Grundstimmung. So will man die Australierin hören!

Den Abschluss machen dann „Beautiful Calm Driving“, welches trotz Streichern bis zum obligatorischen Finale völlig überzeugt und das Doppellied „Lullaby/Buttons“. „Lullaby“ hält, was es verspricht und ist ein wunderschönes Schlaflied und Buttons ist ein wunderbarer Popsong und man fragt sich, warum es nur als Bonustrack aufgeführt ist. Richtig beschwingt und stimmungsvoll singt Sia: „I am no good for you!“ Das glaubt der Hörer ihr aber keinesfalls, denn „Some People Have Real Problems“ ist immer noch ein starkes Album, das die eine oder andere Ehrenrunde im CD-Spieler sicher haben dürfte.

Anspieltipps:

  • The Girl You Lost To Cocaine
  • Academia
  • Lullaby/Buttons

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