Nickel Eye - The Time Of The Assassins - Cover
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Nickel Eye The Time Of The Assassins


  • Label: Ada Global/Rough Trade
  • Laufzeit: 35 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der ruhige, stoische Strokes-Bassist Nikolai Fraiture führt uns tatsächlich ein wenig in die Irre. Allerdings ungewollt. Üblicherweise fackeln durchweg starke Alben nicht lang und präsentieren sich in ihrer erhabenen Pracht gleich zu Beginn oder nach einem Intro. Der bezeichnenderweise mit einem herrlichen Basslauf einsetzende formidable Start von seinem Sideprojekt-Debüt „Time Of The Assassins“ verflacht aber überraschender Weise nach dem Eingangstrack („Intro - Every Time“).

Auf und ab schickt uns Fraiture hier, wie eine Zusammenfassung der Tätigkeiten der Strokesschen Einzelteile; talentiert, aber irgendwie unausgegoren könnte das Fazit lauten. Albert Hammond Jr. hat sich zuerst allein versucht, mit mäßigem Erfolg, aber unbeirrbar, was ihm in diesem Sinne – nicht im musikalischen – mit John Frusciante vergleichbar macht. Hammond Jr. hat schon zwei Soloalben, beide sind nicht gut, doch er hört nicht auf, eine absehbare Tendenz muss nicht formuliert werden. Julian Casablancas ist der Bandleader, der hat genug zu tun, nicht verrückt zu werden, bei all der Göttlichkeit denen man den lakonischen Käuzen hinterher sagt und singt also nur sporadisch mal hier, mal da herum, ob für einen Queens Of The Stone Age-Song oder für Converse. Fabrizio Moretti lässt sich mehr Zeit als Hammond Jr. und im Ergebnis kommt er mit Little Joy auch wesentlich weiter, wo übrigens Nick Valensi, wie auch schon bei Devendra Banhart und Regina Spektor, zum Backing-Vocals einsingen mal kurz vorbeischaut. Es scheint sich zu manifestieren, dass es nur als Bandgefüge klappt, jene Magie, die die Strokes in den Himmel schossen mit „Is This It“, zu zelebrieren und auf Tonband zu bannen.

Nun also Fraiture. Mit 19, weiß die Presseinformation zu erzählen, hat der mal einen Roadtrip durch die USA gemacht. Die dabei entstandenen poetischen Ergüsse wurden nun hier vertont. So etwas kann leicht schief gehen, der Abstand bereitet manchmal Überzeugungsprobleme, ich erinnere mich an das letzte Monster Magnet-Album, wo Weindorf mit alten Schubladensongs gleich verfuhr und scheiterte. Um die Meckerei rund zu machen: mindestens vier Songs sind absolut überflüssig, nervig, mit uninspirierter Lethargie, phlegmatischem Gesang und akustischer Wehklagerei versehen („Where The Cold Wind Blows“ zum Beispiel, da hilft auch nichts, dass Regina Spektor hier mithilft oder das fürchterliche Cohen-Cover „Hey, That’s no Way To Say Goodbye“ im Besonderen)

Aber umgekehrt sind mindestens vier ausgezeichnete Tracks vorzufinden. Und wie schon bei Moretti’s Little Joy („Brand New Start“), auch ein kleiner, früher Anwärter auf den Song des Jahres mit dem wunderschönen „Brandy Of The Damned“, wo sich die Ska-Einflüsse, mit der überbordenden Indie-Lethargie hübsch vermischen. „This Is The End“, „Back From Exile“ und der Opener machen Fraitures Solodebüt zusammen mit dem Kracher hörenswert. Skippe man einfach die überflüssigen Beiträge weg.

Anspieltipps:

  • Intro (Every Time)
  • Back From Exile
  • Brandy Of The Damned
  • This Is The End

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