U2 - No Line On The Horizon - Cover
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U2 No Line On The Horizon


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Schlecht ist das wahrlich nicht, was sich U2 für ihr zwölftes Studioalbum erdacht haben.

Das Dutzend ist voll! Mit „No Line On The Horizon“ veröffentlichen U2 fünf Jahre nach „How To Dismantle An Atomic Bomb“ (11/2004) und neun Jahre nach „All That You Can´t Leave Behind“ (10/2000) ihr erst drittes Studioalbum in diesem Jahrzehnt. Das zeigt die Dimensionen, in denen sich die Band aus Irland bewegt. Und es macht deutlich, welchem Erwartungsdruck jede neue Produktion des Quartetts ausgesetzt ist.

Das führte diesmal sogar soweit, dass die geplanten Recording Sessions mit Produzenten-Guru Rick Rubin (Johnny Cash, Slayer, Metallica) aus Angst vor der eigenen Courage abgeblasen wurden und die bewährte Troika aus Brian Eno (Coldplay, Paul Simon, Depeche Mode), Daniel Lanois (Bob Dylan, Peter Gabriel, Scott Weiland) und Steve Lillywhite (The Rolling Stones, The Smiths, Travis) einsprang. Aufgenommen wurde während des vergangenen Jahres im bandeigenen Studio in Dublin, Irland, im Riad El Yacout in Fez, Marokko, im Platinum Sound Recording Studio in New York, USA und in den Olympic Studios in London, England. Als Ziel hatten sich U2 gesetzt, den Konsenssound der letzten beiden Werke vergessen zu machen und stärker zum Experimentieren zurückzukehren.

Am Ende liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Denn das Album ist längst nicht so experimentell, wie die Band es darstellt und auch nicht so mit Hits gespickt, wie es die Fans wohl gerne gehabt hätten. Anno 2009 spielt sich das Geschehen auf und neben dem Grad eines typischen U2-Albums ab, was bedeutet, dass die geniale Radikalität, die „Achtung Baby“ (11/1991) und „Zooropa“ (07/1993) auszeichneten, ebenso fehlt, wie die bis ins letzte Detail stimmigen, ähem, Ohrwürmer. Wenn man so will, drückt sich das Experimentelle lediglich dadurch aus, dass Songs an Stellen Ecken und Kanten verpasst bekommen haben, wo der Hörer sie nicht unbedingt vermuten würde (was sollen z.B. die Streicher in „I’ll go crazy if I don’t go crazy tonight“?).

So besitzt die erste Singleauskopplung „Get on your boots“ zwar ein kongeniales Gitarrenriff und einen hypnotischen Groove, doch das war’s dann auch schon mit der Herrlichkeit. Zum großen Glücksgefühl ist der Gesang von Bono nämlich einfach eine Spur zu aufdringlich und die HipHop-Beats klingen eher aufgesetzt als authentisch. Dennoch ist der Sound auf „No Line On The Horizon“ stets vertraut und immer wieder von gänsehautfördernden Parts durchzogen, die zumeist auf das Konto von The Edge gehen, dessen herausragendes Gitarrenspiel neue Maßstäbe setzt und Stücke wie „Fez – Being born“ oder „Unknown caller“ vor dem Mittelmaß schützt. Nichts zu retten ist dagegen beim stinklangweiligen, pseudo-atmosphärischen „Cedars of Lebanon“.

Trotzdem, schlecht ist das wahrlich nicht, was sich U2 für ihr zwölftes Studioalbum erdacht haben. Am Ende fehlt nur der letzte Kick, die Konsequent und der Mut, um fraglos tolle Melodien wie sie in „Magnificent“, „Moment of surrender“ oder „White as snow“ zu finden sind, in Songs zu verpacken, die es mit der Strahlkraft und der Intensität des „Achtung Baby“-Albums aufnehmen können. Aber so ist das nun mal, wenn das eigene Oeuvre mit Meilensteinen gepflastert ist. Die Ansprüche steigen ins Unermessliche. Selber schuld!

Anspieltipps:

  • Magnificent
  • White as snow
  • Stand up comedy
  • Get on your boots
  • No line on the horizon

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