Lykke Li - Youth Novels - Cover
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Lykke Li Youth Novels


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mädchenmusik! urteilte mein lederbejackter Freund und hatte zielsicher ins Schwarze getroffen.

Mädchenmusik! urteilte mein lederbejackter Freund und hatte zielsicher ins Schwarze getroffen. Fragil der Gesang, süßlich verträumt die sich eröffnenden Sphären, nachdenklich gesäuselt die Texte. Die nächste Independent-Pop-Elfe die stark an Feist erinnert und mit Joanna Newsom, Björk und Natasha Khan (Bat For Lashes) um Absatzmärkte buhlt, könnte man negativ konnotiert urteilen. Doch bitte warum muss beständig der verschwörungstheoretische Ansatz eines gesteuerten Trends ausgemacht werden? Vielleicht ist der einzige Unterschied eben nur, dass 1975 wesentlich weniger Frauen Musikerinnen wurden, als 2005. Natürlich sind und funktionieren nicht alle Frauen so. Und doch gibt es sie, die zart besaiteten, ästhetisch geschmackssicheren, kunstvollen jungen Damen, wie jene internationale Schwedin aus Ystad.

International weil sie, dank der Gnade/Bürde Kind von Künstlereltern zu sein, von klein auf die Welt bereiste. Stockholm, Portugal, Italien, Marokko, Indien und New York hießen nicht die Urlaubs- sondern die Lebensstationen. Es scheint als hätte aus Lykke Li, bürgerlich Li Lykke Timotej Zachrisson, gar nichts anderes werden können als moderne Künstlerin. Malerei und Mode, weiß sie brav in jeder Vita anzuführen, haben sich lange die Waage mit der Musik gehalten, glücklicherweise setzte sich schlussendlich letzteres durch.

Denn Lykke Li legt mit „Youth Novels“ ein überzeugend starkes Debüt irgendwo zwischen Independent-Pop und Alternativ-Folk ab. Natürlich hat sie das Rad der Sensiblen dieser Welt nicht neu erfunden, aber ihre, im Vergleich zu Feist, tendenziell kommerzielleren Songs haben etwas zwingendes, sind schön und entbehren nicht einer eigenständigen Ästhetik. Zudem darbt Frau Zachrisson auch nicht an mangelnden kreativen Fundus, „Youth Novels“ deckt eine sehr breite musikalische Palette ab, die mit Folk-Pop eben nur ungenügend beschrieben wäre.

„Dance, Dance, Dance“ beschwört modernen Folk mittels karger Instrumentierung bestehend aus zwei stoischen Gitarrenakkorden, eingestreuten Trompeten wie Zucker über Gebäck und gehauchtem Singsang. Neben dem sich anschließend vertiefenden Duktus der sensiblen Mädchenhaftigkeit beeindruckt aber vor allem, dass sie nicht einfach Uptempo-Nummern zur Beruhigung einstreut, wie Hardrocker die Ballade. „I’m Good I’m Gone“, „Complaint Department“ und „Breaking It Up“ tragen sogar zu großen Teilen das Album, was die Liebe zum Club und zur Tanznacht aufzeigt. „Let It Fall“ und „Little Bit“ beschwören dann wieder seltsam, eben sphärisch, bevor man zu den Einsamkeitsnummern „Everybody But Me“ und „Time Flies“ aber bitte wieder sensibel aus dem Fenster schaut. Mehr vom Schlage Frau Zachrissons und die Worte Gewalt und Brutalität wären seltsam fern erscheinende Hirngespinste.

Anspieltipps:

  • Dance Dance Dance
  • I’m Good I’m Gone
  • Let It Fall
  • Complaint Department
  • Breaking It Up

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