Mando Diao - Give Me Fire - Cover
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Mando Diao Give Me Fire


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 72 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Give Me Fire“ macht den lauen Vorgänger vergessen und knüpft an das Potenzial der ersten drei Mando-Diao-Alben an.

„Never Seen The Light Of Day“ (10/2007) war das Abschiedswerk von Mando Diao für ihre alte Plattenfirma. Entsprechend experimentell und frei von jeglichen Hits klang das Album. Nur noch weg, raus aus dem Vertrag, schien die Devise zu lauten. Folgerichtig erschien dann auch im Jahr 2008 kein neues Album der fünf Schweden, die seit 2004 im fanfreundlichen Jahresrhythmus neue Platten auf den Markt brachten. Dennoch war das vergangene Jahr kein ereignisloses für Mando Diao.

Mit Universal Music fand die Band eine neue Plattenfirma, in Stockholm eröffneten die Musiker ihr bandeigenes Aufnahmestudio und auch in Sachen Familienplanung machten Gustaf Nóren und Björn Dixgård Nägel mit Köpfen, indem sie ihre Freundinnen heirateten. Da kann das Fazit nur lauten: Alles in Butter, die Herren! Denn auch musikalisch meldete sich der Schweden-Fünfer mit einem überraschenden Paukenschlag zurück. Die in der ersten Januarwoche ausgekoppelte Vorabsingle „Dance with somebody“ avancierte zu einem dieser unnachgiebigen Ohrwürmer, die sich ins Gehör drängen, ob man nun mag oder nicht. Gegenwehr zwecklos! Dabei scheint das Rezept denkbar einfach zu sein, da seit einiger Zeit ähnliche Songs von Künstlern die Runde machen, bei denen man nie vermutet hätte, dass sie auf fiese Disco-Beats setzen und damit Erfolg haben würden.

„Human“ von The Killers, „My life would suck without you“ von Kelly Clarkson oder auch „Hot n cold” von Katy Perry sind solche Exemplare, mit denen man die Charts mühelos aufrollen kann, auch wenn kaum jemand zugeben würde, jene Songs zu mögen. Gekauft werden die Singles trotzdem. Und so reihen sich Mando Diao plötzlich in den obersten Regionen der Charts ein, als wollten sie ihrem ehemaligen Vertragspartner ganz genüsslichen einen mitgeben: „Schaut her, euch zeigen wir es! Rache ist süß.“ Der Ursprung für diesen erstaunlichen Stilwandel liegt in den 70er Jahren begraben, als die Gitarren noch ordentlich Hall besaßen, die Bässe unaufhörlich stampften und Bläser- und Streichereinlagen zum Alltag gehörten. Hier setzen Mando Diao an und bedienen sich ausgiebig an den Klängen und Stimmungen einer ganzen Dekade, was mit nervös tänzelnden Songs wie „Blue lining white trenchcoat“ und dem Titeltrack „Give me fire“, dem scheinbar aus dem „Blues Brothers“-Soundtrack entliehenen „Mean street“, dem aus der 70er-Jahre-Disco ausgebüxten „Gloria“ und herrlich melodietrunkenen Tracks wie „Maybe just sad“ und „Crystal“ ganz hervorragend funktioniert.

Damit haben die Schweden bereits die halbe Miete für ein überdurchschnittliches Album im Sack. Denn auch die übrigen Stücke fallen qualitativ nicht aus dem Rahmen. Warum sollte man z.B. über einen simplen Rocksong wie „Come on come on“ oder eine unschuldige Gute-Laune-Nummer wie „Go out tonight“ herfallen, wenn sie so schön ins Gesamtkonzept passen? Nein, damit fangen wir gar nicht erst an! Schließlich macht „Give Me Fire“ den lauen Vorgänger im Handstreich vergessen und knüpft locker an das Potenzial der ersten drei Mando-Diao-Alben an.

Anspieltipps:

  • Crystal
  • Mean street
  • Maybe just sad
  • Dance with somebody
  • Blue lining white trenchcoat

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