The Cool Kids - The Bake Sale - Cover
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The Cool Kids The Bake Sale


  • Label: XL Recordings/INDIGO
  • Laufzeit: 32 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„What it is, what it is/ Come check the noise/ It’s the new black version of the Beastie Boys”. Das man noch erleben darf, dass großspurige Ansagen im HipHop Wort halten. Doch wahrlich: The Cool Kids geben dem kränkelndem Genre endlich wieder Hoffnung. Nie klang Old School neuer, zurück in die Zukunft schreiben manche Beobachter auf ihre Fahnen. Minimale Beatarrangements haben erst die elektronische Musikwelt konkretisiert, wenn nicht gar gerettet – jetzt ist HipHop dran.

Chuck Inglish und Mickey Rocks, aus Käffern nahe Detroit und Chicago entsprungen, wissen wahrscheinlich gar nicht, welchen wohltuenden Dienst sie ihrer Musikwelt ableisten. Prollgehabe und Gangsterposen haben endlich eine ernsthafte Alternative für aufschauende Pubertätsrapper jenseits des mauen, friedlichen Blümchenraps, der Weltfrieden, Rassenaussöhnung und Gleichberechtigung säuselt. Tight sein geht nun auch ohne Gewaltmetaphern und Überhöhungsphantasien. The Cool Kids verschaffen auf The Bake Sale, was eigentlich eine EP werden sollte, aber nun doch als reguläre CD mit zehn Titeln unters Volk gebracht wird, HipHop eine kleine, aber nötige Gehirnwäsche.

Die Beats sind im Kern klassische Old School-Breaks, die einfacher, aber genialer Weise mit den digitalen Mitteln des 21. Jahrhunderts aufgepimpt wurden. So erklingt der Anachronismus gelesen suspekt: die dominante feste Bassline, darüber gelegte Claps und das würzende Melodiesnippet erscheinen wahrlich nicht als Runderneuerung. Bei den Cool Kids schon. Digitaler Minimalismus, der deutlich durchdeklinierter zu Ende komponiert wird als bei Spank Rock.

Wo die Arrangierung sich noch als Zwitter zwischen neuem Gewand und altem Fundament gebiert sind die Raps in ihrer Funktion eindeutig. Hier regiert das Word Play, die Perfidität und nicht die ermüdende Hochleistungsdisserei des bisherigen 21. Jahrhunderts. Cleverness, Zungendreher, Doppelbödiges, um die Ecke denken: Danke, danke und noch mal danke für diesen Streich Chuck Inglish und Mickey Rocks. HipHop ist endlich wieder schelmig und macht Spaß. Das tat Not.

Mit 20 beziehungsweise 23 Lenzen darf es abschließend verschmerzt werden, zumal man beim kreieren an eine EP dachte, dass The Bake Sale einem starken Ungleichgewicht erliegt. Alles Starke spielt sich vorn ab. Nicht genug bekommt man von „What Up Man“, „One Two“, „Mickey Rocks“ und „88”, der Rest ruht sich ein bisschen dahinter aus. Es scheint das musikalische Schlagwort des so jungen Jahrhunderts zu werden: Simplizität. „Yes, yes, ya’ll“.

Anspieltipps:

  • What Up Man
  • One Two
  • Mikey Rocks
  • 88

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