Bosse - Taxi - Cover
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Bosse Taxi


  • Label: Fuego/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Textlich wie klanglich typisch Bosse.

Guten Morgen Spinner. Es scheint als sei das Kamikazeherz erschöpft und ein wenig zur Ruhe gekommen. Bosse kommen diesmal mit dem „Taxi“ und man wird das Gefühl nicht los, dass die vornehmlich ungestümen Zeiten der ersten beiden Werke sich gegenwärtig eine kleine Auszeit nehmen. Bosse fühlen sich hörlich wohl mit ihren imaginären Fahrgästen Kettcar, Tomte und Madsen auf der Rückbank.

Logisch! Ganz ohne das typische, rockopernhafte Bosse-Trara geht es auf der Neuen natürlich auch nicht. Da haben wir mit „Alter Strand“ eines der absoluten Platten-Highlights. Schnörkellos, melodisch und voll aufs Ohr bewegt sich diese Erinnerungs-Hymne verdächtig nahe an vergangenen Bosse-Spitzen („Skizziert“, „Die Irritierten“, „Guten Morgen Spinner“). Auch die „Kunst Des Verlierens“ funktioniert am Besten bis ans Maximum hochgepegelt, ein Bier im Anschlag, den Refrain lauthals mitgröhlend und auch auf „Matrosen“ und „Augen schließen“ pulsiert der treibende Rhythmus zwischen leisen und lauten Passagen vorzüglich.

Der Rest ist zwar textlich wie klanglich typisch Bosse. Nur das hier das „Taxi“ deutlich in ein Pop-Rockigeres Viertel einlenkt. Zweifellos sind das akustisch getragene „Sommer Lang“, das stampfende „All Die Dinge“ oder der Mid-Tempo-Trennungsschmerz-Song „Irgendwo Dazwischen“ weiterhin auf sehr hohem Niveau. Man kann nur erahnen, was daraus geworden wäre, hätte Ex-Hyperchild Mitglied und Namensgeber der Band Axel Bosse hier eine Spur mehr seines spinnendes Kamikazeherz mit eingebracht. Die beiden obligatorischen Balladen „Gegen Murphy“ und „Verstehen“ (mit Sebastian Madsen) gehen gewohnt unter die Haut und belegen erneut das Bosse’sche Gespür für authentische Lyrics, die trotzdem niemals kitschig oder peinlich rüberkommen.

Die musikalische Fahrt mit Bosse geleitet einen sicher durch die knapp 40 Minuten. Ohne Umwege, schnörkellos und souverän lenkt die Kapelle ihr musikalisches Gefährt durch die meist Risiko gepflasterten Deutschrockstrassen. Manchmal hätte man sich von ihnen durchaus ein wenig mehr Wagemut gewünscht. Da hätten sie auch gerne mal bei Dunkelgelb das Pedal durchtreten dürfen. „Taxi“ ist dennoch ein extrem unterhaltsames Vehikel, das zwar nicht ganz an seine Vorgänger heranreicht, aber dennoch alle Bosse-Freunde und die es noch werden, zufrieden stellen wird.

Anspieltipps:

  • Sommer Lang
  • Gegen Murphy
  • Die Kunst Des Verlierens
  • Alter Strand

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