Rose Kemp - Unholy Majesty - Cover
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Rose Kemp Unholy Majesty


  • Label: One Little Indian/Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Eins muss man der britischen Sängerin Rose Kemp lassen, selten wurde ein Album so sehr einhellig von den Kritikern gelobt wie ihr Werk „A Handful of Hurricanes“. Sie macht es einem nicht leicht eine Beschreibung für ihre Musik anzufertigen. Folk-Metal vielleicht? Ihre sanfte klare Stimme vollbringt erstaunliche Varianten und die Gitarren- und vornehmlich die Schlagzeugabteilung vollbringt wahre Wunder, wenn sie in ruhige Songs so überraschend einfällt wie früher die Piraten auf ein Handelsschiff. Rose Kemp lässt es sich dabei nicht nehmen, auch selbst die Gitarre zu schwingen und ihre Texte, die meist ihr Innerstes nach außen kehren, mit dunklen Gitarrengewittern zu überziehen.

Wie ist das nun bei Rose Kemps dritter CD? Die verblüffend harte Seite vom Vorgänger wurde noch von Produzent Chris Sheldon (Biff Clyro, Therapy?) stärker gefördert: Die zehn Tracks werden von „Dirt Glow“ angeführt, welches sehr schleppend mit hoher Gesangsstimme beginnt, um dann mit Violine und harten Drums eine kurze Attacke zu fahren, es klingt bewusst disharmonisch und aggressiv und neben Kemp gibt in den fünf Minuten Spielzeit vor allem der Schlagzeuger alles, damit die bedrohliche Atmosphäre erhalten bleibt.

Dieser schweren Kost folgt noch ein weiterer recht unmelodiöser Brocken, den nur Kemps Stimme zusammenhält. „Nanny's World“ klingt es etwas zugänglicher sowie melodiöser und begibt sich direkt in sehr düstere Rockgefilde, die aber alles andere nur nicht Mainstream oder eingängig sind. „Saturdays Night“ wird dann auf einmal mit sanftem Piano und ergreifender Gesangsperformance von Rose Kemp eröffnet, sogar die Violine taucht wieder auf und nach wirklich zeitlupenlangsamen Steigern endet das ganze unerwarteterweise nicht im Gitarrengewitter, sondern bleibt die bewegende Pianoballade, die so nur Miss Kemp hin bekommt.

Zu jedem Song möchte man eine halbe Seite schreiben, soviel löst diese verstörende Musik der 24jährigen Songwriterin mit ihren so andersartigen Beiträgen zur Musikwelt aus. Diese CD beherrscht ein Kunst: Man vermag nicht zu sagen, was einem beim nächsten Track erwartet, Hartes oder Zartes? Rose Kemps Leistung ist die des vertonten Überraschungsmomentes, den sie beherrscht wie keine zweite. Man muss sich aber eine Menge Zeit für diese schwer verdauliche Musik nehmen, sonst scheitert der Hörer sofort. „Vacancies“ sägt dermaßen an den Nerven, da bleibt leider nur das Urteil: Unverdaulich.

Die Höhen und leichten Tiefen in der Qualität können nicht wegdiskutiert werden, doch besitzt die Britin mehr als genug Talent außerhalb der üblichen Radiodudelmusik ihre Noise-Perlen zu komponieren, die einen einfach nicht kalt lassen. Emotionale Liebeskummermusik auf der Metal/Gothic/Folk-Schiene beschreibt Rose Kemps Musik nur unzureichend, eine musikalische Schublade scheint es für sie nicht zu geben. Ihr bisheriges Glanzstück, das oben erwähnte „A handful of hurricanes“, erreicht sie aber qualitätsmäßig nicht ganz, doch ist dieser Longplayer eine konsequente Weiterentwicklung ihres innovativen Soundkonzeptes.

Anspieltipps:

  • Nanny's World
  • Saturday Night
  • Milkey White

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