Matt Boroff - Elevator Ride - Cover
Große Ansicht

Matt Boroff Elevator Ride


  • Label: LoEnd/SonyBMG
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

19 Sekunden benötigt Wahl-Österreicher Matt Boroff, um den Hörer dazu zu bringen seinem neuestes Werk volle Beachtung zu schenken, denn nach ein paar angeschlagenen Tönen rollt die Wüstenserenade „Like a train“ los und steuert mit großen Schritten auf den „big wet sound“ zu, der die Live-Darbietungen seiner Band zu einem einzigartigen Erlebnis macht. Überhaupt ist die dritte Veröffentlichung des gebürtigen Amerikaners näher am direkten Konzertgeschehen der Dreier-Konstellation, die mit Rolf Kersting (Bass) und Little Konzett (Schlagzeug) vervollständigt wird, als der Vorgänger „Ticket to nowhere“ (01/2006), der die Tito & Tarantula-Harmonien im Gegensatz zu psychedelischen Klangflächen in den Vordergrund stellte. Die Platte nimmt sich mehr Zeit, bricht nur selten wirklich aus, bemüht sich geschlossener und im Songwriting reifer zu klingen.

Boroff ließ es sich natürlich trotzdem nicht nehmen mit „One step“, „Pig street“, „The beetle“ und „Red“ vier krachige Rocknummern abzuliefern, die stets nach vorne drängen. Aber wie bereits erwähnt regieren auf dem dritten Oeuvre verstärkt atmosphärische Passagen, die nicht nur die staubtrockene Wüste und ordentliches Hitzeflimmern vor das innere Auge projizieren, sondern auch mit den metaphorischen Lyrics einhergehen. Diese gedrosselte Energie hat jedoch einen Preis und der heißt Geduld. Im Vergleich zu „Ticket to nowhere“ ist „Elevator ride“ ein regelrechter Spätzünder und entpuppt sich anfangs überhaupt als Blindgänger, der ob der langsameren Herangehensweise rein gar nicht in die Gänge kommen will.

Stücke wie „Zombie machine“, „Signals“ oder das großartige „Ways“ sorgen nach der ersten Eingewöhnungsphase jedoch für eine ungleich höhere Entschädigung, gelingen dem Amerikaner damit schließlich drei enorm stimmungsvolle Stücke, die neben den wunderbaren Melodien mit zeitlosem Anstrich glänzen dürfen. Herr Boroff erweist sich sowohl dort als auch auf dem Rest der Platte erneut als brillanter Erzähler, der die richtige Mischung aus gepresstem Stimmvolumen und subtil eingesetztem Text beherrscht. Dass „Elevator ride“ im Großen und Ganzen dennoch schlechter abschneidet als sein letztes Werk erklärt sich vor allem durch einige erneut aufgegriffene Harmonien, die zwar nicht als reines Recycling abgestempelt werden dürfen, aber sich eben auch nicht besonders stark von bereits vorhandenen unterscheiden. Nichtsdestotrotz bleiben die musikalischen Ergüsse des Matt Boroff eine sichere Bank für Freunde anspruchsvoller Rockmusik.

Anspieltipps:

  • Ways
  • Signals
  • One Step
  • Like A Train
  • Zombie Machine

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
Diskutiere über „Matt Boroff“
comments powered by Disqus