The Streets - Original Pirate Material - Cover
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The Streets Original Pirate Material


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 48 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Mike Skinner scheint auf den ersten Blick ein gewöhnlicher, junger Mann zu sein. Keine ausgefallene Kleiderwahl, kurze Haare, ab und an übermüdet und unrasiert. Elektriker vielleicht, Beamter, sogar einen Grundschullehrer könnte man anhand der Fassade vermuten, aber wie ein Musiker sieht Mr. Skinner aka The Streets nun wirklich nicht aus. Man stelle sich einmal vor: Im Plattenladen fällt einem durch Zufall „Original Pirate Material“ in die Hände, man wird neugierig und geht zum Probehören. „Turn The Page“ beginnt mit einem respektablen Beat, Streicher setzen ein und man erwischt sich beim automatischen Mitnicken. Ein fetter Sound verspricht prollige Autotouren durch die Stadt, mit weit heruntergekurbelten Fenstern.

„That’s it“ unterbricht Mike Skinner plötzlich die Gedanken und man ist perplex. Wenn Kermit der Frosch plötzlich in eine Arie einstimmt könnte der Überraschungseffekt nicht größer sein, als in diesem Moment, denn der Sprechgesang von Skinner ist mit einem derart harten Cockney-Akzent überzogen, dass man unweigerlich lachen muss. Heute erfreuen sich Kate Nash oder Lilly Allen mit ihrer unüberhörbaren Herkunft großer Beliebtheit, 2002 gab es von dieser Art Interpreten allerdings noch wenig Bekannte. Hat man sich erst einmal in den schnellen Sprechgesang mit seinen groben Kanten eingehört, empfiehlt es sich auf den Text zu achten. Mike Skinner schreibt nämlich keine Fantasiegeschichten, sondern erzählt von seinem Alltag, mit allem was dazu gehört: unglückliche Liebe (nichts Außergewöhnliches), sinnlosem Rumhängen (naja) und der Einnahme von Drogen und den daraus resultierenden Wirkungen (oho). Das weckt bei dem einen oder anderen Hörer vielleicht nicht gerade Stürme der Sympathie, aber Respekt doch allemal, denn die Art und Weise, wie Skinner die Every-Day-Life-Stories vorträgt, ist genial. Dass die konsumierten Drogen in dem hellen Köpfchen von The Streets noch nicht zu all zu viel Schaden angerichtet haben, hört man jedem einzelnen Song an, der von Skinner per Computer eingespielt und abgemischt wurde.

Auch wenn Songs wie „Don’t Mug Yourself“ oder „The Irony Of It All“ einfach nur Spaß machen und eine große Stärke Skinners darstellen, so zeigt der Mann aus Birmingham, dass er auch ernste und traurige Themen ansprechend rüberbringen kann. „It’s Too Late“ beispielsweise erzählt von einer gescheiterten Beziehung, die deshalb in die Brüche ging, weil sie alles gab, während er stets unpünktlich und unzuverlässig war. Polarisierend, provokant, innovativ und ideenreich ist „Original Pirate Material“ ein großartiges Debut eines unterschätzten Künstlers.

Anspieltipps:

  • Turn The Page
  • It’s Too Late
  • Don’t Mug Yourself
  • Who Got The Funk

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