Teddy Thompson - A Piece Of What You Need - Cover
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Teddy Thompson A Piece Of What You Need


  • Label: Verve/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Bis auf wenige Ausrutscher ist ein schönes Album gelungen.

Wie haucht man dem Alltagsgeschäft des Radios heute noch Leben ein. Es gibt doch inzwischen so viel Pop, dass man ihn teilweise kaum noch unterscheiden kann. So ist es lobenswert, aber gleichzeitig Mindestanspruch, dass der junge Brite sagt, dass er wenigstens einen winzig kleinen Baustein zu etwas beisteuern kann, das einen gewissen Wert hat, anstatt die Menschen einfach nur mit einem weiteren Riesenhaufen überflüssigen Mülls zuzuschütten. Ob der nun in New York lebende Musiker seinem Anspruch gerecht wird, ist die andere Frage, denn wie revolutionieren, was doch so erfolgreich funktioniert.

Vielleicht liegt es am Leben in den USA, auf jeden Fall hat sich Thompson entschlossen, einen Country-Einschlag in sein Album zu bringen, im ersten Song noch sehr zurückhaltend, jedoch unüberhörbar. Ein schöner Track, in welchem zurückgenommene Gitarren und minimalistische Synthesizer den Klang von Teddy Thompsons Stimme fokussieren. Das ist Pop, wahrlich. Aber ist es mehr? Gleich im zweiten Lied wird der Härtegrad ein wenig erhöht, ohne aggressiv zu wirken und es zeigt sich, wie man einen richtig guten Popsong (mit Country) schreiben und spielen muss. „What’s This?!!” hat eine einprägsame Melodie, viel Herz durch das Klavier und die Backing Vocals und bleibt durch kratzbürstige Gitarren stets interessant. Als wäre das schon zu viel des Guten gewesen, ist „In My Arms“ eine ganz gewöhnliche Nummer ohne Höhepunkte, die solide ist, aber nicht im Geringsten das Prädikat wertvoll verdient.

Warum dann gleich die nächste Ballade folgen muss, weiß man nicht so recht (nichts gegen Balladen!), doch „Where To Go From Here“ ist gleich viel sympathischer und kann durch seine Feinfühligkeit fehlende Abwechslung gutmachen. Allerdings gibt man langsam die Hoffnung auf, dass es noch einmal so schön wird wie bei „What’s This?!!“. „Don’t Know What I Was Thinking“ geht inzwischen so weit, dass es wie eine Mischung aus Volksmusik deutscher Landen und eben diesem Country besteht. Das macht nicht wirklich Spaß und ist der glatt gebügelte Tiefpunkt des Albums. „Can’t Sing Straight“ greift wieder mehr ins Westernklischee, aber wen stört es, wenn es rau klingt und für neue Variablen und Unbekannte sorgt? Spätestens wenn die Bläser einsetzen, ist man sich sicher, dass Thompson sein Pulver doch och nicht verschossen hat.

„Slippery Slope (Easier)“ lässt den Hörer weiter entscheiden, was nun seine Lieblingsballade auf diesem Album sein könnte, ohne hervor- oder die anderen auszustechen. Dafür kommt das verspielte „Jonathan’s Book“ gerade rechtzeitig. Warum das geniale Hitchcock-Intro, weiß niemand, den wirklich zum Rest passen tut es nicht, aber der Song weißt eine ganz besondere Atmosphäre des unerwarteten auf, ohne wirklich unkonventionell zu sein. Frei nach dem Motto: Was gut ist, ist erlaubt! Um am Ball zu bleiben, rockt das luftig leichte „One Of These Days“ mal kurz über das Parkett und hinterlässt Schmunzelfalten, um der letzten Ballade „Turning The Gun On Myself“ Platz zu machen. Diese schafft es dann auch erstmals im Kopf zu bleiben und Eindruck zu schinden. Endlich eine Aura und nicht bloß eine verträumte Melodie, die uns in ein Irgendwo führt, das stark an ein Nirgendwo erinnert.

La grande finale, der Titeltrack ist zwar nicht das beste Lied auf dem Album, versteht aber sehr gut, den Geist des kompletten Albums einzufangen und durchaus zufrieden kann man Herrn Thompson aus seinen Diensten entlassen und auch gerne mal wieder anhören. Auch der beschwingte Bonustrack (nennen wir ihn mal „The Price Of Love“) führt noch einmal auf das Tanzparkett und macht Spaß. Auf jeden Fall besser als eine Ballade, denn an diesen muss Thompson noch arbeiten. Bis auf wenige Ausrutscher ist auf jeden Fall ein schönes Album gelungen, das sich Hoffnungen machen darf, Beachtung zu finden, wenngleich für den großen Wurf noch etwas fehlt.

Anspieltipps:

  • Jonathan’s Book
  • Turning The Gun On Myself
  • Can’t Sing Straight

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